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Danilo Kiš: „Psalm 44“ | NDR.de – Kultur

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Stand: 08.11.2019 09:23 Uhr

Psalm 44

von
Danilo Kiš, aus dem Serbokroatischen von Katharina Wolf-Grießhaber

Vorgestellt von Alexander Solloch


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30 Jahre nach dem Tod des Autors, hat der Verlag diesen Roman herausgegeben.

Mit fast 50 Jahren Verspätung kommt das Buch auf den deutschen Markt, mit dem Danilo Kiš 1962 sein Schriftstellerleben begann. Damals war noch nicht abzusehen, dass er einmal als einer der ganz großen jugoslawischen Autoren angesehen werden würde. Kiš war noch ein junger Mann, keine 30 Jahre alt, gezeichnet davon, dass sein Vater wie auch viele anderen Verwandten in Auschwitz ermordet worden war. „Psalm 44“ heißt dieser schmale Roman.

„Nun hast du uns verstoßen und mit Schmach bedeckt“, heißt es in Psalm 44, einem der Klagelieder der Juden im Alten Testament; und weiter: „Die uns hassen, plünderten uns aus. Du gibst uns preis wie Schlachtvieh.“

Kein Ende der Qualen ist in Sicht

So ist die Lage Anfang 1945. Gequält, gedemütigt und entkräftet dämmern die noch nicht dahingemordeten Gefangenen von Auschwitz-Birkenau ihrem Schicksal entgegen. Kann es Hoffnung geben auf diesem schrecklichen Erdenball, den Menschen in Blut tränken? Es kann doch keine Hoffnung geben!

„Sag, Jakob: Ist es das jetzt endlich?“
Jakob überlegte einen Augenblick: „Danach zu urteilen – ja“, sagte er. Und er sagte nicht: „Hoffnung ist eine Notwendigkeit. Deshalb muss man sie erfinden“, oder was er noch am Anfang gesagt hatte: „Sonst werden Sie in diesem Lager keinen einzigen Tag überstehen. Richtig tot ist nur, wer keine Hoffnung hat. Verstehen Sie?“ Damals hatte sie ihn noch nicht gut gekannt. Deshalb hatte sie ihm gesagt: „Meinen Sie etwa, Herr Doktor, dass das alles für mich erst jetzt in Auschwitz beginnt? Dass ich erst jetzt anfange, von den Hoffnungsvorräten, die der Mensch im Herzen trägt, zu zehren?“
Leseprobe

Verbotene Beziehung im KZ

Maria und Jakob – die junge Frau aus Novi Sad, „Halbjüdin“ in der Nazi-Diktion, und der jüdische Arzt, dem es gelingt, sie vor den Menschenversuchen des Lagerarztes „Doktor Nietzsche“ zu retten. Heimlich werden sie ein Paar, heimlich bekommt sie ein Kind von ihm. Und nun – ist es das endlich, nach Jahren von Krieg und Terror? Oder – viel wahrscheinlicher – wird man zu den letzten Opfern der deutschen Mörder gehören, noch eben ausgelöscht, bevor die Befreier kommen?

Dieser kleine gewaltige Roman schildert die paar Stunden, die Maria von der Flucht oder vom Tod trennen. „Heute Nacht versuchen wir es“, raunt ihr Jeanne, ihre Leidensgenossin in der Baracke, zu. Sie warten auf ein Signal; bis dahin wird Maria fortgerissen vom Strudel der Gedanken- und Erinnerungsfetzen, die ihr chaotisch durch den Körper schießen: Wie sie mit 14 begreift, dass sie nicht mehr mit der Straßenbahn, ihrer geliebten Straßenbahn in Novi Sad, fahren darf; wie sie später im Lager, im Schrank versteckt, blutend, der Ohnmacht nahe, mit anhört, wie der Lagerarzt ihren Jakob für seine finsteren Zwecke einzuspannen versucht; dann wieder Novi Sad, das Massaker an der Donau im Januar 1942: Die junge Maria schaut aus der Nähe zu, wie eine in der Kälte harrende nackte Frau – die nackte Tochter im Arm – die Mörder anspricht, Angehörige der mit Deutschland verbündeten ungarischen Armee.

Häme und Mitleidlosigkeit der Soldaten

„Bitte, wann… an die Reihe? Meine Kleine … erkälten“, darauf wechselten die Soldaten zwei, drei Blicke, und Maria sah, wie sich ein übermütiger bartloser Soldat so tief verneigte, dass er mit seiner Stirn beinahe den Schnee und die blauen Beine der Frau berührte, und sie hörte seine Fistelstimme:
„Rechtzeitig, bitte etwas Geduld. Gleich wird es Tee geben für das kleine Jüdlein, viel Tee. Die ganze Donau, bitte schön“; dann die mehrstimmige Explosion zurückgehaltenen Soldatenlachens und danach die Bisse dieser vom Lachen aufgesperrten Münder auf dem Gesicht der Frau, von dem sich die rotblaue und blassgrüne Farbe Schicht für Schicht abschälte.
Leseprobe

Dies alles geschieht, weil Menschen es wollen. Danilo Kiš schreibt unpathetisch, schreibt sehr einfach; aber nervös flackern die Worte, zucken die langen Sätze wie die Nerven in einem Körper, der die Macht menschlicher Niedertracht in jeder Faser spürt, sie aber nicht begreift, einfach nichts begreift. Wo fängt das alles an? In unseren finsteren Herzen.

„Jeanne“, sagte sie plötzlich, „glaubst du an Gott?“
„Und du? Glaubst du denn an Gott?“
„Ich denke, ich glaube an meinen eigenen Gott, zu gleichen Teilen bestehend aus Hoffnung, Güte, Barmherzigkeit, Liebe…“
„… und aus Hass“, sagte Jeanne.
Leseprobe

Psalm 44

von

Seitenzahl:
136 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Hanser
Bestellnummer:
978-3-446-26394-9
Preis:

20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur |
Neue Bücher |
08.11.2019 | 12:40 Uhr

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Vor 30 Jahren: Pilot landet im Havelland auf dem Acker | Umschau | MDR

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30 Jahre nach der spektakulären Landung einer ausrangierter IL-62 erinnert sich nicht nur die Umschau an den besonderen Moment. In Stölln kommen alle Beteiligten zum Jubiläum zusammen, auch Pilot Heinz-Dieter Kallbach.

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So wird man Donald Trump nicht schlagen | ZEIT ONLINE

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Ach, es war so schön. Damals, als dieser aufstrebende, unbekannte Politiker die Massen begeistert hat. Mit Reden voller „hope“ und „change“. Viel mehr musste auch gar nicht auf die kunstvollen Wahlplakate geschrieben werden. Der junge Senator aus Illinois war die Botschaft für Amerika, ein Versprechen, dass alles anders werden könnte nach acht Jahren George W. Bush, einem konservativen Rechtsruck im Land, zwei Kriegen und viel Frust. Elf Jahre ist es her, dass Barack Obama in der Nacht des 4. November 2008 in Chicago seine Siegesrede hielt. 

„Hallo Chicago, wenn es da draußen immer noch jemanden gibt, der daran zweifelt, dass in Amerika alles möglich ist, wenn es jemanden gibt, der glaubt, der Traum unserer Gründerväter sei nicht mehr lebendig, der an der Kraft der Demokratie zweifelt – dann ist diese Nacht unsere Antwort darauf“, begann der erste afroamerikanische Präsident der USA seine Rede.

Diese Novembernacht ist lange her. Heute spricht bei seinen exzellent bezahlten Vorträgen ein anderer Obama. Einer, der seine Partei vor einem radikalen Linksschwenk warnt. „Der Durchschnittsamerikaner ist nicht der Ansicht, dass wir das ganze System niederreißen und neu aufbauen müssen“, sagte er bei einer Veranstaltung Ende vergangener Woche. Ein zu linker Kandidat, so die nicht neue These, werde zu viele Wählerinnen und Wähler verschrecken, die dann ihre Stimme Donald Trump geben. Ein Alptraumszenario für die Demokraten. Aber eins, das man nicht lösen wird, indem man sich weiter ständig der Frage widmet: „Wie links ist zu links?“

Obama war ein guter Präsident, aber wahrlich nicht der linke Heilsbringer, zu dem ihn sein Wahlkampfteam gemacht hat und den so eine Mehrheit der Amerikaner gewählt hat. Er war ein moderater Demokrat, einer, der Kompromisse gemacht hat. Ein Präsident, der – frustriert durch die Mühen der Ebene der Washingtoner Politik und einen Kongress, der in weiten Teilen seiner beiden Amtszeiten republikanisch dominiert war – getan hat, was möglich war. Darunter eine historische Gesundheitsreform, Obamas wohl größter Erfolg. Darunter aber auch Rettungspakete für Banken, ausgeweitete Drohnenkriege, die Förderung der Öl- und Gasindustrie.

Auf Obamas Aussagen folgte am Wochenende, was folgen musste: unzählige Artikel über die Frage, wo sich die einzelnen Präsidentschaftsbewerber nun einsortieren innerhalb des linken Spektrums. Ein Hashtag #TooFarLeft, unter dem auf Twitter vermeintlich zu linke Inhalte wie Mindestlohn und Gesundheitsversorgung geteilt werden. Und Spekulationen darüber, ob Obama mit seinen Äußerungen nicht nur die weiter links stehenden Kandidaten Bernie Sanders oder Elizabeth Warren treffen, sondern gleichzeitig seinen ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden stärken wollte – dem er bis jetzt eine offizielle Unterstützung verwehrt hat.

Mit einem „Alles ist möglich“-Gefühl allein gewinnt man das Weiße Haus nicht

Das alles wird den Demokraten nur überhaupt nicht helfen, Trump im kommenden Jahr zu schlagen. Dass „in Amerika alles möglich ist“, wie Obama es einst formulierte, hat nicht nur seine Wahl gezeigt, sondern auch die von Donald Trump. Und es wäre naiv zu glauben, dass die Demokraten nur dank dieses „Alles ist möglich“-Gefühls das Weiße Haus zurückerobern.

Wahlen funktionieren in Amerika zwar stark über Bilder, Projektionen, Versprechen und Verheißungen – Obama wie Trump haben das bewiesen. Aber sie hängen eben auch in einem hohen Maße von einer kleinen Gruppe Wählerinnen und Wähler in wenigen Staaten ab, die politisch nicht festgelegt sind und sich alle vier Jahre neu entscheiden. 

Dafür ist es natürlich wichtig, inwieweit Umfragen darauf hinweisen, dass Menschen von umfassenden Bildungsideen, tiefgreifendem Klimaschutz und anderen, aus demokratischer Sicht sehr linken Ideen abgeschreckt werden. Aber für die Demokraten muss es darum gehen, diese Wählerinnen nicht darüber zu erreichen, ihnen eine vermeintlich linke Idee als akzeptabel zu verkaufen. Sondern es muss darum gehen, eine gute inhaltliche Idee eben als genau das zu präsentieren: eine gute Idee. Egal mit welchem Label. Und deutlich zu machen, warum diese Politik unterstützenswert ist.

Ein Mindestlohn, ein gerechteres Bildungssystem und umfassender Klimaschutz sollten unbedingt dazu gehören. Das richtig zu verkaufen, nicht über eine verschreckendes „Achtung links“, muss die Aufgabe sein. Elizabeth Warren hat übrigens nach Obamas Äußerung nicht darauf reagiert, ob sie nun zu links sei oder nicht. Und ihn für seine umfassende – für konservative Wähler unerträgliche – Gesundheitsreform gelobt.

Der Kohlearbeiter im Mittleren Westen hat seinen Job schon seit Jahren verloren. Trump wird ihn nicht zurückbringen, und egal ob Biden, Sanders oder Warren gegen ihn antreten, auch sie werden ihn nicht zurückbringen. Viele Menschen in den USA haben Angst um ihre Zukunft. Die Demokraten haben Angst vor einer falschen Richtung und damit vor vier weiteren Jahren Donald Trump. Mit Ängsten ist das so seine Sache: Sie machen starr, unbeweglich und unfrei. Antworten auf die Ängste der Menschen formulieren, das ist die Aufgabe der Demokraten, wollen sie die Präsidentschaftswahl gewinnen. In Sachen Verkaufe können sie dabei durchaus von Obama lernen. Aber sie müssen sich dafür vor allen Dingen von unnötigen Debatten und den darin liegenden Ängsten endlich befreien.





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Unicef warnt vor neuen Gefahren für Kinder | ZEIT ONLINE

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Das Kinderhilfswerk Unicef hat vor Stillstand und sogar Rückschritten beim Ausbau der weltweiten Kinderrechte gewarnt. „Ohne Zweifel wurde in den letzten drei Jahrzehnten viel für Kinder erreicht“, sagte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von Unicef Deutschland. Aber: „Vor allem für die Ärmsten unter ihnen hat sich seit 1989 zu wenig zum Guten gewendet“, sagte er bei Vorstellung eines Berichts der Organisation zu 30 Jahren Kinderrechte. Am 20. November 1989 hatten die UN-Mitgliedstaaten das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“ verabschiedet.

Kinder sterben zwar seltener in ganz jungen Jahren und leben auch gesünder, dafür sind sie aber neuen Bedrohungen ausgesetzt, wie aus dem Bericht hervorgeht. Unicef-Geschäftsführerin Henrietta Fore sagte in den USA, zusätzlich zu den anhaltenden Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bildung müssten sich Kinder heute mit neuen Bedrohungen wie dem Klimawandel, Onlinemissbrauch und Cybermobbing auseinandersetzen. Gerade von den Auswirkungen der Klimakrise seien sie besonders bedroht.

In dem Bericht heißt es, die weltweite Sterblichkeitsquote von Kindern unter fünf Jahren sei im Vergleich zu 1989 um etwa 60 Prozent gesunken. Zudem gingen inzwischen deutlich mehr Kinder in Grundschulen, und ihre Rechte würden in vielen Ländern besser gesetzlich geschützt. Allerdings seien die Fortschritte nicht gleichmäßig verteilt: So ist in Entwicklungsländern die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren in armen Familien doppelt so hoch wie in wohlhabenderen Haushalten.

Nur die Hälfte der in besonders armen Familien lebenden Kinder in Ländern südlich der Sahara sei zudem gegen Masern geimpft, heißt es in dem Bericht. Die Zahl der bekannten Masernfälle habe sich von 2017 auf 2018 weltweit mehr als verdoppelt. Unicef-Geschäftsführerin Fore forderte „Innovation, neue Technologien, politischen Willen und mehr Ressourcen“, um das Leben von Kindern in aller Welt zu verbessern.



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