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Der Milliardär glaubt an harte Arbeit

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Für den ehemaligen Aktienhändler Michael Bloomberg wurde eine Entlassung zur Chance seines Lebens. (Bild: Patrick Semansky / AP)

Für den ehemaligen Aktienhändler Michael Bloomberg wurde eine Entlassung zur Chance seines Lebens. (Bild: Patrick Semansky / AP)

Michael Bloomberg hat genug Vermögen, um sich einen Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft leisten zu können. Das wird er aber nur tun, wenn er einigermassen sicher sein kann, seine Zeit nicht zu verschwenden.

Christof Leisinger, New York

«Ich habe kein Verständnis für Leute, die auf der Rolltreppe stehen – ich gehe sie immer hoch. Wieso sollte ich meine Zeit verschwenden, schliesslich gibt es nach dem Ableben die Ewigkeit, um mich auszuruhen.» Dieses frei übersetzte Zitat wird Michael Bloomberg zugeschrieben, und es genügt, um in Kürze eine grobe Ahnung davon zu erhalten, wie der amerikanische Milliardär tickt und was ihn zu dem gemacht hat, was er ist.

Die Antithese zu Trump

Der Mann, den im Wahlkampf um das Weisse Haus viele als «rettende Antithese» zu Donald Trump sehen, ist im Februar 1942 in der Umgebung Bostons in eine kleinbürgerliche Familie russisch-jüdischer Herkunft geboren worden und im nahe gelegenen Medford aufgewachsen. In seiner Jugend galt er als selbstbewusstes, smartes Schlitzohr, das zum Graus seiner Schwester gern mit selbst gefangenen Schlangen spielte und das sich in der Schule wegen Unterforderung bei mittelmässiger Leistung langweilte. Nur ab und zu zeigte es seine Brillanz.

Dank seiner Cleverness – und etwas Glück – ergatterte er sich einen der begehrten Plätze an der elitären Johns Hopkins Hochschule, wobei er seine Ausbildung mit Nebenjobs finanzierte. Statt sich von den damaligen Protesten gegen das Establishment beeinflussen zu lassen, übernahm Bloomberg eine führende Rolle in der studentischen Phi-Kappa-Psi-Bruderschaft, die für Integrität, Intellektualität und Gemeinschaftssinn stand. Schnell galt er als ein nach vorn schauendes Organisationstalent mit grossem Verhandlungsgeschick, das kontroversen Argumenten auch mit pointierter Selbstironie den Wind aus den Segeln nehmen konnte.

Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er zielorientiert. Er kehrte vermehrt die grobe Seite seines Charakters nach aussen und hielt andere mit Sprüchen auf Distanz, was ihm den Ruf eines Besserwissers einbrachte. Selbst die Ermordung John F. Kennedys war für ihn nur ein «kleiner Sprung» in der Geschichte. Schlimmer fand er dagegen, dass ein von ihm für jenen November terminiertes Bruderschafts-Fest ausfiel. Immerhin hatte er geplant, James Brown als musikalischen Höhepunkt zu engagieren. Er litt mental noch lange an dem unvermeidbar gewordenen Verlust von Geld, das er vorgestreckt hatte.

Trotz allem schaffte er es im weiteren Verlauf seines Werdegangs an die Eliteuniversität Harvard, das Mekka für Manager. Die Aussicht darauf, später einmal «alles managen» zu können, entsprach seinen Ambitionen. Die Ausbildung kam ihm auch deswegen gelegen, weil Harvard nur ein paar Meilen von seinem Heimatort entfernt lag. Schliesslich fühlte er sich inzwischen auch für die Familie verantwortlich.

Ein Verkaufstalent

Nach dem Abschluss seines Ingenieurstudiums im Jahr 1966 startete Bloomberg seine berufliche Karriere beim Brokerhaus Salomon Brothers & Hutzler, und zwar ganz unten. Eine Tätigkeit in der Finanzbranche war damals bei weitem noch nicht so angesehen und lukrativ wie 20 Jahre später. Studienkollegen empfahlen ihm trotzdem, sein Verkaufstalent auszuspielen. Immerhin hatte er während des Studiums in einem Immobilienbüro gejobbt und dort die regulären Angestellten verkäuferisch meist übertrumpft. Irgendwie war er meist früher als alle anderen da – und konnte die entscheidenden Telefonanrufe entgegennehmen.

Glaubt man Veteranen, war der Wertpapierhandel damals eine spontane, schnelle, laute, schweisstreibende Angelegenheit unter Männern. In den sogenannten Pits wurde geraucht, in Näpfe gespuckt, geschrien, gestikuliert, geflucht, und manchmal wurden ziemlich derbe Witze gerissen – auch über Frauen. Die weiblichen Wesen mussten in diesem Metier oft leiden. Sie kamen meist nur in zudienender Funktion vor. Michael Bloomberg dagegen blühte in diesem Umfeld nach einer gewissen Lernphase auf. Er arbeitete von früh bis spät, hatte Erfolg, wurde Partner, Chef des sogenannten Blockhandels mit Aktien, und er genoss schliesslich auch das Privileg eines grosszügigen Spesenkontos. An den Wochenenden organisierte er ausschweifende Partys, für die er alles besorgte und meist auch selbst kochte. Biografen schreiben ihm in dieser Lebensphase die Aussage zu: «Je härter du arbeitest, desto besser geht es dir – so einfach ist das; und ich habe in diesem Punkt bisher noch jeden übertrumpft.»

Als es im Aktienhandel nicht mehr rundlief, war die Eskalation der latent immer vorhandenen Rivalität unter den Führungskräften nur eine Frage der Zeit. Die Hahnenkämpfe führten schliesslich zur Entlassung Bloombergs. Die Zäsur wurde mit einer Abfindung von damals beachtlichen 10 Mio. $ versüsst – und wurde gewissermassen zur Chance seines Lebens. Denn während er sich bei Salomon Brothers & Hutzler zum Wertpapierhändler hochgedient hatte, waren ihm die schwerfälligen, unstrukturierten und papierlastigen Prozesse im Hintergrund des Geschäfts aufgefallen. Eine Transaktion galt damals erst als abgeschlossen, wenn sie auch schriftlich erfasst war. Das Prozedere war so aufwendig, dass der Handel an der boomenden Wall Street in Zeiten der «Papierkrise» eingeschränkt werden musste, um eine geordnete Abwicklung zu gewährleisten. Bloomberg begann in der Folge, sich mit Computern zu befassen, die in seinen Augen für Abhilfe sorgen konnten.

Milliardär dank Terminals

Nach seiner Entlassung verwendete er einen Teil der Abfindung dazu, sich mit den drei ehemaligen Kollegen Duncan MacMillan, Charles Zegar und Thomas Secunda selbständig zu machen. Im Jahr 1981 gründeten sie die Firma Innovative Market Systems und entwickelten eigene Rechner sowie Datenbanksysteme. Mit ihrem «Market Master» konnte man Informationen über Wertpapiere schneller erfassen, verarbeiten, analysierend vergleichen und grafisch darstellen, als es bis dahin möglich und üblich gewesen war. Das war im Handel mit Anleihen ein riesiger Fortschritt. Denn dieser basierte damals primär auf persönlichen Beziehungen zwischen den Händlern und war entsprechend intransparent und sprunghaft. «Der Bloomberg» galt bald als die effizienteste Möglichkeit, um sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen, nachdem sich die Gründer früh zum Wechsel auf diese Marke entschlossen hatten.

Verschiedene Medienberichte trugen zur Bildung einer untereinander vernetzten Händler- und Nutzer-Community bei, die auf die Terminals nicht mehr verzichten wollte. Heute stehen die Maschinen in Büros von Finanz- und Industrieunternehmen oder staatlichen Behörden, in Privatwohnungen, im Vatikan wie auch in den Redaktionen der NZZ oder der «New York Times». Ein Schlüssel für den Erfolg liegt im Klub-Charakter des Angebots, denn er ist ohne regulatorische Eingriffe trotz hohem Preis nur schwer replizierbar. Dazu kommt, dass Bloomberg das Informationsangebot und die Analyse-, Kommunikations- oder gar Handelsmöglichkeiten immer weiter ausbaute. Heute lassen sich nicht nur Daten für alle Vermögensklassen abrufen und darstellen, sondern auch damit verknüpfte News. Ausserdem können die Mitglieder des «Klubs» direkt miteinander in Kontakt treten, und sie haben Zugriff auf Radio- und Fernsehstationen in aller Welt oder auf Zeitschriften wie «Businessweek» und «Bloomberg Markets». Die Weiterentwicklung des Angebots orientiert sich eng an den Bedürfnissen der Nutzer. Sie ist verbunden mit einer ausgeprägten Dienstleistungsmentalität: Gibt es ein Problem oder einen Wunsch, soll es oder er möglichst schnell und gut gelöst bzw. erfüllt werden – nicht ohne dass unmittelbar danach das entsprechende Feedback eingeholt wird.

Dieses Bloomberg-Paket hat mit rund 24 000 $ jährlich einen beachtlichen Grundpreis, und die Anzahl der Kontrakte stagniert. Trotzdem kann das New Yorker Unternehmen den Umsatz seit Jahren mit einer geschickten Angebotspolitik stetig steigern. Mit rund 330 000 Bloomberg-Terminal-Verträgen und weiteren Dienstleistungen erwirtschaftete der Daten- und Medienkonzern im vergangenen Jahr einen Erlös von rund 10 Mrd. $. Die Marge liegt gemäss Expertenschätzungen bei knapp 40%. Wen wird es angesichts dieser Performance überraschen, dass die Gründer inzwischen alle Milliardäre sind. Allen voran Michael Bloomberg. Ihm gehören knapp 90% der Firma. Er soll über ein Vermögen von etwa 56 Mrd. $ verfügen. Das wäre mehr als genug, um sich einen Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft leisten zu können – wenn er sich denn aus Gemeinsinn auch tatsächlich dazu entschliessen sollte. Das wird er wohl nur dann tun, wenn er einigermassen sicher ist, seine Zeit nicht zu verschwenden.



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Netflix verbrennt täglich 19 Millionen Dollar

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Der Anbieter von Film-Streaming-Diensten galt lange als Erfolgsgeschichte schlechthin, und die Netflix-Aktie hat an der Börse abgehoben. Inzwischen aber nimmt die Konkurrenz zu und die Zweifel an der Bewertung wachsen.

Die Erfolgsgeschichte findet Nachahmer. (Mike Blake/Reuters)

Mike Blake, X00030

Heute geht man nicht mehr ins Kino, sondern schaut sich den Film seiner Wahl auf dem elektronischen Gerät seiner Wahl zu einer genehmen Zeit an. Netflix hat dieses Geschäft mit seinen Streaming-Diensten vorangetrieben und gilt aufgrund der Beliebtheit bei den Konsumenten als Erfolgsgeschichte. Tatsächlich konnte das Unternehmen seine Erlöse zwischen Sommer 2012 und Ende des vergangenen Jahres versechsfachen und so wird kaum überraschen, dass seine Aktien an der Börse lange Zeit als Überflieger galten.

Vorerst gedeckelt

Kursentwicklung der Netflix-Aktie in $

Sie haben von Sommer 2012 bis Sommer 2018 um bis zu 4300% zugelegt. Seitdem schwankt der Kurs kräftig – ohne weiteren Trend nach oben.



Hohe Kosten und zunehmende Konkurrenz

Das lässt sich einerseits anhand der Umsatz-, Gewinn- und Abonnentenzahlen für das vierte Quartal des vergangenen Jahres erklären, die am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegt wurden. Andererseits hat das Unternehmen sehr hohe Kosten und die Konkurrenz nimmt deutlich zu. Zunächst die guten Nachrichten: Netflix hat in den letzten drei Monaten einen Umsatz von 5,47 Mrd. $ vorgelegt und einen Gewinn je Aktie von $ 1.30 ausgewiesen. Beide Kennzahlen übertrafen die Erwartungen des Marktes, wie auch die Zahl von Neuabonnenten von 7,56 Mio. Allerdings hat sich das Wachstum der inländischen Abonnentenzahlen verlangsamt und die Prognose der Neuabonnenten für das erste Quartal 2020 fiel mit 7 Mio. enttäuschend aus. Netflix führt das auf Änderungen im Preismodell und auf den zunehmenden Wettbewerb mit anderen Anbietern wie etwa Disney, Amazon oder auch Apple zurück.



Eigenproduktionen sind teuer

Netflix sei nicht mehr der einzige preisgünstige Anbieter von Streaming-Dienste. Es gebe inzwischen ein halbes Dutzend Konkurrenten, und im kommenden Jahr werde es weitere glaubwürdige Anbieter mit umfangreichen Filmbibliotheken geben, argumentieren manche Investoren. Nicht jeder Kunde werde alle Dienste abonnieren, so dass es zu schwächerem Wachstum oder gar zu einer Abwanderung der Kunden kommen könne, fürchten sie. Sie verweisen auch darauf, dass Netflix in nächster Zeit die seine beiden beliebtesten Shows verlieren wird und gezwungen ist, massiv in Eigenproduktionen zu investieren. Tatsächlich haben die Aufwendungen dafür in den vergangenen Monaten massiv zugenommen. In diesem Rahmen verbrennt das Unternehmen jährlich mehrere Milliarden Dollar und hat beachtliche Verbindlichkeiten angehäuft. Angesichts der Unwägbarkeiten ist die Aktie des Unternehmens sehr hoch bewertet – und trotzdem hat sie am Dienstag im nachbörslichen Handel um gut 7% zugelegt.

Nur der Umsatz wächst

Kennzahlen von Netflix (Mio. $)

MAR ’02JUN ’02SEP ’02DEC ’02MAR ’03JUN ’03SEP ’03DEC ’03MAR ’04JUN ’04SEP ’04DEC ’04MAR ’05JUN ’05SEP ’05DEC ’05MAR ’06JUN ’06SEP ’06DEC ’06MAR ’07JUN ’07SEP ’07DEC ’07MAR ’08JUN ’08SEP ’08DEC ’08MAR ’09JUN ’09SEP ’09DEC ’09MAR ’10JUN ’10SEP ’10DEC ’10MAR ’11JUN ’11SEP ’11DEC ’11MAR ’12JUN ’12SEP ’12DEC ’12MAR ’13JUN ’13SEP ’13DEC ’13MAR ’14JUN ’14SEP ’14DEC ’14MAR ’15JUN ’15SEP ’15DEC ’15MAR ’16JUN ’16SEP ’16DEC ’16MAR ’17JUN ’17SEP ’17DEC ’17MAR ’18JUN ’18SEP ’18DEC ’18MAR ’19JUN ’19SEP ’19–20000200040006000



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Factbox: How a virus impacts the economy and markets

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(Reuters) – The outbreak of a new virus in China has sent shivers through world financial markets, with investors drawing comparisons to the 2003 SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) outbreak in order to assess its potential economic impact.

A woman holds the mask at a street in Beijing, China January 21, 2020. REUTERS/Jason Lee

The following factbox collates the estimates of the economic impacts of past such episodes as well as individual company winners and losers from the current outbreak.

1) GLOBAL ECONOMIC & FINANCIAL MARKET IMPACT

A 2017 paper here by economists Victoria Fan, Dean Jamison and Lawrence Summers estimated that the expected annual losses from pandemic risk to be about $500 billion – or 0.6% of global income – per year, accounting for both lost income and the intrinsic cost of elevated mortality.

Another 2016 study here by the Commission on a Global Health Risk Framework for the Future estimated that pandemic disease events would cost the global economy over $6 trillion in the 21st century – over $60 billion per year.

Isolating the impact of a single factor on global stock indexes and the global economy is a formidable task: they reflect a multiplicity of simultaneously competing factors ranging from economic data, company performance, and geopolitical shifts. In the middle of the SARS outbreak for instance, the U.S. invasion of Iraq would have exerted an equivalent if not greater impact on price action.

However, price action in markets indicates that the impacts of such outbreaks are limited. After Chinese authorities reported the outbreak of SARS to the World Health Organization (WHO) in 2003, the MSCI China index of shares decoupled from its global peers – but made up the lost ground in only six months.

GRAPHIC: SARS had a limited effect on Chinese equities here

2) ECONOMIC COST OF SARS OUTBREAK 2003

This here paper by Jong-Wha Lee and Warwick McKibbin estimates the global economic loss due at SARS at $40 billion in 2003.

A May 2006 economic briefing by the International Air Transport Association (IATA) estimated that world gross domestic product suffered a 0.1% hit due to the outbreak.

GRAPHIC: Impact of 2003 SARS outbreak on GDP here

3) MARKET WINNERS AND LOSERS

Despite the disruption to the wider economy, virus outbreaks have tended to benefit pharmaceutical stocks, while tourism and travel-related stocks – hotels, airlines and luxury and consumer goods – tend to get punished. During the SARS outbreak, retail sales figures in China showed a marked drop-off as consumer spending took a hit.

GRAPHIC: Consumer spending in China sank during the SARS outbreak here

On Tuesday, Chinese drugmakers Jiangsu Bioperfectus Technologies Co Ltd , Shandong Lukang Pharmaceutical Co Ltd, and Jiangsu Hengrui Medicine Co Ltd were among those outperforming the wider market. Facemask manufacturers Tianjin Teda Co Ltd and Shanghai Dragon Corp also outperformed.

Shares of long-haul flight operators Air France, Lufthansa and British Airways-owner IAG retreated, as news of the contagion raised concerns over disruptions to travel during a coming Chinese holiday.

GRAPHIC: Winners and losers here

China-exposed luxury goods makers including LVMH, Kering, Hermes and Burberry also fell.

4) MORTALITY RATE AND ECONOMIC IMPACT

An IMF paper here by David Bloom, Daniel Cadarette, and JP Sevilla notes that even when the health impact of an outbreak is relatively limited, economic consequences can be quickly magnified. The authors cite the case of Liberia during the 2014 Ebola outbreak, which saw GDP growth decline even as the country’s overall death rate fell over the same period.

GRAPHIC: Liberia GDP vs. death rate during Ebola crisis here

“What scared people about SARS is the mortality rate,” ING Asia Pacific’s chief economist Robert Carnell said in a note to clients.

“People didn’t take public transport, stayed away from work, stayed away from shops, restaurants, cinemas, conferences etc. The impact from the disease was massive on the economy, but almost all of it indirect, due to the precautionary behavior of the population.”

GRAPHIC: SARS cases vs. deaths here

Reporting by Ritvik Carvalho; additional reporting by Josephine Mason in London; Editing by Lisa Shumaker

Our Standards:The Thomson Reuters Trust Principles.



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NZZ-Blog live vom WEF: Trump in Davos

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Eine Delegation von vier Bundesräten hat US-Präsident Trump zum Gespräch getroffen. Im Zentrum standen die Vermittlungsdienste in Iran und ein mögliches Handelsabkommen. Trump habe dabei sein Interesse signalisiert.



17.30 Uhr: Bundespräsidentin Sommaruga informiert über die  Gespräche mit Trump

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga trat kurz vor 18 Uhr allein vor die Medien. Die Verspätung sei eigentlich eine gute Nachricht, sagte sie. Die Gespräche von rund 50 Minuten Dauer seien sehr konstruktiv und offen gewesen. Man habe grosses gegenseitiges Interesse signalisiert. Trump nahm an der Medienkonferenz nicht teil. Sommaruga räumte ein, dass sie und Trump in der Eröffnungszeremonie des WEF völlig andere Akzente zum Klimaschutz gesetzt hätten. Die Welt brenne, hatte Sommaruga am Mittag gesagt. Das sehe Präsident Trump ganz anders.

Beim Klimaschutz habe man denn auch die unterschiedlichen Positionen dargelegt. Die Schweiz habe ihr Bedauern signalisiert, dass die USA beim Pariser Abkommen zur Beschränkung des CO2-Ausstosses nicht mitmachten. Das heisse aber nicht, dass die USA das Problem nicht ernst nähmen, habe Trump dazu festgehalten. 

Aber selbst beim Klimaschutz habe es einige Übereinstimmungen gegeben, erkläre Sommaruga. Beides Seiten hätten ihr Engagement für grünen Technologien im Energie- und Verkehrsbereich betont. Trump sei ein Fan von Wasserkraft.

Beide Seiten hätten Interesse gezeigt, den gegenseitigen Handel zu vertiefen. Die Schweiz visiert ein Freihandelsabkommen an. Hier habe man sich geeinigt, die Gespräche weiterzuführen. Der Schweiz sei Rechtssicherheit wichtig, betonte Sommaruga. Man müsse wissen, woran man sei. Das habe für den kleineren Partner eine grosse Bedeutung. Unterschiedliche Auffassungen habe es beispielsweise bei der Landwirtschaft gegeben. Ein Abkommen komme dann zustande, wenn beide Seiten genügend interessiert seien. Dazu brauche es noch einige Zeit. Die Schweizer Delegation habe aufgezeigt, dass die Handelsbilanz zwischen der Schweiz und den USA ziemlich ausgeglichen sei, wenn man nicht nur die Güter, sondern auch die Dienstleistungen in die Berechnung einbeziehe. 

Zur Sprache sei die schwierige Lage in Iran gekommen. Trump habe der Schweiz für ihre Vermittlungsdienst gedankt. Konkret habe man auch über die Einführung eines speziellen Zahlungskanales für Unternehmen diskutiert, den die Schweiz etablieren könne. Trump habe Vertrauen in die Schweizer Regierung gezeigt.



16.30 Uhr: Vier Bundesräte treffen Trump zum Gespräch

Präsident Trump und Bundespräsidentin Sommaruga beim Fototermin vor den Gesprächen. 

Evan Vucci / AP

Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga trifft den US-Präsidenten Donald Trump zu einem Gespräch. Den offizielle Handschlag gab es schon kurz nach 16 Uhr. Das Gespräch selbst ist nicht öffentlich.

US-Präsident Donald Trump hat aber schon zuvor durchblicken lassen, dass er mit der Schweiz ein Freihandelsabkommen abschliessen möchte und darüber mit Sommaruga sprechen wolle. Sommaruga wiederum sagte, dass auch der Klimawandel Gesprächsthema sein werde.

Die Schweizer Delegation ist bemerkenswert stark: Neben Sommaruga nehmen Finanzminister Ueli Maurer, Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Aussenminister Ignazio Cassis teil. Um 17.30 Uhr wird Sommaruga über die Ergebnisse des Treffens informieren. Ob sich Trump an der Medienkonferenz beteiligt, ist noch nicht bekannt.



15.45 Uhr: Trump wirbt für Handelsabkommen mit der EU 

US-Präsident Donald Trump will sich nach eigenen Angaben um ein umfassendes Handelsabkommen mit der Europäischen Union bemühen. Er hoffe, beide Seiten könnten sich auf einen Deal verständigen, sagte Trump vor einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Sie sei als «sehr harte Verhandlungsführerin« bekannt, sagte Trump vor dem Gespräch, das hinter verschlossenen Türen stattfand.

Öffentlicher Handschlag vor dem Gespräch hinter verschlossenen Türen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Trump.

Öffentlicher Handschlag vor dem Gespräch hinter verschlossenen Türen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Trump.

Jonathan Ernst / Reuters



15 Uhr: Die Juso und Klimaaktivisten formieren sich zur WEF-Demonstration 

Noch hält sich die Beteiligung an der WEF-Kundgebung in Grenzen.

Noch hält sich die Beteiligung an der WEF-Kundgebung in Grenzen. 

Katrin Büchenbacher

Die Anti-WEF-Demonstration der Jungsozialisten und der Klimaaktivisten läuft nur langsam an, da sich die Winterwanderer um rund anderthalb Stunden verspäten. Die Kundgebungen sind bis 17 Uhr bewilligt. Juso-Präsidentin Ronja Jansen fordert in ihrer Eröffnungsansprache eine «demokratische Wirtschaft».
Es sei zynisch, an die Eigenverantwortung der einzelnen Konsumenten zu appellieren, während die hundert grössten Unternehmen für 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich seien.



14.15 Uhr: Chinas stellvertretender Regierungschef Han Zheng plädiert für offene Türen

Die Globalisierung stehe am Scheideweg, erklärte der stellvertretende chinesische Regierungschef Han Zheng. Die Frage sei, ob weitere Handelsschranken errichtet oder die Türen geöffnet würden, sagte er. China plädiere klar für eine Kooperation. Die Wirtschaftsglobalisierung sei eine Treibfeder des Wachstums. Die Probleme der Globalisierung könnten nur inklusiv, unter Beteiligung aller, gelöst werden. Alle Länder müssten mehr Mut zum Austausch zeigen. «Wir müssen gemeinsam versuchen, den Weltmarkt zu vergrössern und den Nutzen für alle verteilen», sagte er. So könnten die Menschen aus allen Ländern von den Vorteilen des Wachstums profitieren. Die Lösungen lägen im Multilateralismus und in der Förderung des Friedens. China habe sich entwickelt, weil sich das Land geöffnet habe. Auch die zuvor verbreitete Armut habe so entschieden bekämpft werden können. Dank Bildung sei mehr Wohlstand erreicht worden.  China habe die Vorteile der Globalisierung genutzt und sei nun selber ein Motor der Weltwirtschaft.

Ein riesiger chinesischer Markt biete grosse Chancen für andere Länder. China werde Tür und Tor für die Welt öffnen, unterstrich der stellvertretende Regierungschef mehrmals. Das Land werde gegenteiligen Tendenzen nicht folgen, sagte er mit Blick auf die amerikanische Politik der Strafzölle. China wolle selber Zölle senken. Das Phase-1-Abkommen mit den USA sei gut für beide Länder und auch gut für die Welt, hielt er fest. China wolle eine Vorreiterrolle in der internationalen Kooperation spielen. In diesem Sinn würden auch die Reformen der Welthandelsorganisation WTO unterstützt.  

Die Initiative zur Pflanzung von 1 Billion Bäumen sei von grossem Wert. China engagiere sich sehr für die Aufforstung. China werde seine Pflichten zur Schaffung einer stabilen, offenen, sauberen und alle Menschen einschliessenden Welt ernst nehmen, schloss er seine Rede. 



13 Uhr: Thunberg: «Es reicht nicht, Bäume zu pflanzen»

Greta Thunberg appellierte an die Unternehmer und Politiker, endlich griffige Massnahmen zu ergreifen.

Greta Thunberg appellierte an die Unternehmer und Politiker, endlich griffige Massnahmen zu ergreifen.

Michael Probst / AP

Um 13 Uhr diskutierten die tschadische Bürgerrechtlerin, Hindou Oumarou Ibrahim, der Mediziner und USAID-Leiter Rajiv Shah, Rebecca Blumenstein (New York Times), Allianz-CEO Oliver Bäte und Greta Thunberg über den Klimaschutz. Es ging um die Frage, wie der CO-2-Ausstoss verringert werden kann. 

Greta Thunberg erinnerte daran, dass sie vor einem Jahr nach Davos gekommen sei und gesagt habe, das Haus brenne. Damals habe man sie  gewarnt, man dürfe die Menschen nicht verängstigen. «Ich kann euch beruhigen, es ist rein gar nichts passiert», sagte die 17-jährige Schwedin am Dienstag mit sarkastischem Unterton vor den WEF-Teilnehmern in Davos. Die wenigen bisher von der Politik ergriffenen Massnahmen gingen allesamt viel zu wenig weit.

Es sei nett, wenn ab und an ein paar Bäume gepflanzt würden, doch bringe das herzlich wenig, wenn gleichzeitig die CO2-Emissionen nicht drastisch gesenkt würden. Sämtliche Staaten seien daran, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu verletzen. «Doch das scheint niemanden zu kümmern», kritisierte Thunberg.

Der Klimaschutz sei keine Frage von links oder rechts. Es gehe ihr nicht um Parteipolitik, stellte die Aktivistin klar. Vielmehr hätten sämtliche politischen Parteien und Strömungen bei dieser Thematik versagt.

«Wir können nicht auf neue, noch nicht erfundene Technologien warten, die uns vielleicht eines Tages retten werden. Wir müssen jetzt handeln», lautete Thunbergs Forderung an die im Raum versammelten Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft.

So müssten unter anderem sofort sämtliche Investitionen in fossile Energieträger gestoppt und entsprechende Subventionen gestrichen werden. «Das ist das absolute Minimum von dem, was nun geschehen muss», sagte die Schwedin. Der Weg ist hart, aber man müsse es wenigstens versuchen.

¨Das Haus brenne, erklärte Greta Thunberg in der Diskussion.

¨Das Haus brenne, erklärte Greta Thunberg in der Diskussion.

Denis Balibouse / Reuters

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte hat die Politik in ihren Bemühungen um den Klimaschutz kritisiert. «Es ist das erste Mal, dass die Wirtschaft den Ton angibt und die Regierungen hinterherhinken», sagte der Manager. «Ich kann nur für mein Heimatland sprechen: Wir diskutieren immer Pläne für den Kohleausstieg, aber wir diskutieren nur den Zeitpunkt und nicht die nötigen Schritte.» Er glaube, dass die Regierungen unglücklicherweise den Anschluss verloren haben. Die Allianz sei wohl der grösste institutionelle Investor in Europa. Der Konzern wolle die Wut über das langsame Vorankommen mit Optimismus verbinden, indem man praktische Dinge tue. In einem Zusammenschluss grosser Finanzinvestoren hatte die Allianz sich mit anderen verpflichtet, ihre Anlageportfolios bis 2050 auf Netto-Null-Treibhausgasemissionen umzustellen.

Hindou Oumarou Ibrahim wies auf die Wälder, die real brennen hin, nicht nur in Australien, auch in Tschad. «Das Haus brennt», sei nicht nur symbolisch zu verstehen. Das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 sei viel zu wenig strikt. Es müsse schneller gehen. Man müsse jetzt handeln und handeln müssten nicht nur die Unternehmen. Es gehe darum, die Bevölkerung einzubinden. Diese wisse oft besser, was man tun müsse als Politiker oder weltweit operierende Firmen. 

Der Klimaeffekt sei dringend. Es gehe um die Leute, die jetzt schon unter dem Klimawandel litten. Es gehe nicht nur um die Zukunft. Klima und Armut müsse man gleichermassen angehen. Das eine könne nicht auf Kosten des andern gehen.

Der chinesische Umweltaktivist Ma Jun wies auf die Dringlichkeit hin, auch aufstrebende Mächte wie China einzubinden. Auch China habe geeignete technologische Möglichkeiten, die noch nicht genutzt würden. Es sei entscheidend, im Kampf gegen den Klimawandel die Firmen zu gewinnnen.



11.45 Trump: «Der amerikanische Traum ist zurück»

US-Präsident Donald Trump in seinem engagierten Votum zugunsten des amerikanischen Unternehmertums.

US-Präsident Donald Trump in seinem engagierten Votum zugunsten des amerikanischen Unternehmertums.

Evan Vucci / AP

US-Präsident Donald Trump bezeichnete das WEF als grossartige Errungenschaft – und holte  gleich zu einer eigentlichen Wahlkampfrede aus. Vor zwei Jahren habe er in Davos angekündigt, die USA zu einem grossen Land zu machen. Jetzt sei der Geist des Unternehmertums erwacht. Die USA seien wieder stark. Man habe die grössten Handelsabkommen mit Partnern geschlossen. Diese seien für alle Staaten von grossem Nutzen. Unter seiner Regierung sei alles besser geworden, gab er sich überzeugt. Dazu habe man Steuern gesenkt, die Regulierung beispiellos verringert, man habe Handelsabkommen geschlossen und das politische Handeln auf das Wachstum gebündelt. Sieben Millionen Arbeitsplätze seien geschaffen worden. Jetzt sei die Arbeitslosenquote so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Der erreichte Wohlstand komme allen Amerikanern zugute. «Die niedrigen Löhne wachsen schneller als die Toplöhne», sagte Trump. Niemand hätte solche Entwicklungen zuvor für möglich gehalten. Der amerikanische Traum sei zurück, hielt Trump fest. Es gebe ausgezeichnete und gleiche Chancen für alle.



«Das amerikanische Modell kann überall funktionieren»

Die Aussichten für die nächsten Jahre seien sehr gut. Die Unternehmen und die Menschen kämen jetzt in die USA zurück. Man habe die Kehrtwende zum Wohlergehen der amerikanischen Bevölkerung geschafft. Dieses amerikanische Modell wolle er der Welt aufzeigen. Wenn alle zusammenarbeiteten, könne dieses Modell überall funktionieren. 

Unter seiner Führung sei ein Neustart mit Handelsabkommen gelungen. Zuvor habe das internationale Handelssystem versagt – zulasten der USA. Jetzt seien beispielsweise die Beziehungen mit China besser als je zuvor. Ohne die von den USA verhängten Strafzölle hätte man das nie erreichen können. 



«Wir müssen den Propheten des Untergangs entgegentreten»

Im Hinblick auf die Klimadiskussion rief Trump zu Optimismus auf. Wenn es wirklich Probleme gebe, lasse sich dies technisch lösen. So stünden die USA an der Schwelle der Nutzung neuer Energieressourcen. In seinem Land habe man weltweit die sauberste Luft und das sauberste Wasser. In diesem Sinn würden die USA auch der WEF-Initiative der 1 Billion Bäume beitreten. Jetzt sei die Zeit des Optimismus. Man müsse den Propheten des Untergangs entgegentreten. Die USA würden eine Bastion der Freiheit bleiben. Eine wachsenden Privatwirtschaft könne alle Herausforderungen annehmen und alle Krisen meistern. Die USA hätten die Antwort auf die entscheidenden Fragen. 

«Wir müssen uns den grossen Herausforderungen stellen», sagte Trump. Es gehe darum, künftigen Generationen alle Chancen zu ermöglichen. Sie sollten nicht durch übertriebene politische Massnahmen eingeschränkt werden. Man dürfe dabei nicht ängstlich und zaghaft vorgehen. «Gott schütze Amerika und Gott schütze die Welt», schloss er seine Rede.

Trumps Konvoi auf der Fahrt zum Kongresszentrum.

Trumps Konvoi auf der Fahrt zum Kongresszentrum.

Gian Andrea Marti

Trump ist auf dem Weg zum Kongresszentrum. Ein Fahrzeug-Konvoi mit dem amerikanischen Präsidenten hat das Hotel Intercontinental in Davos verlassen. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte überwachten die Abfahrt des Präsidenten.



11.05 Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga: «Die Welt brennt»

Die Welt brenne, erklärte Sommaruga auf Englisch. Und sie meinte nicht nur die australischen Buschbrände. Die Auswirkungen des Klimawandels seien desaströs. Das ökologische Gleichgewicht sei gefährdet. In einer Video-Einspielung zeigte sie auf, welche gravierenden Folgen das Verschwinden von Pflanzen und Insekten für die Menschen habe. Wenn wirtschaftliche Interessen über die Natur gestellt würden, dann seien die Konsequenzen dramatisch. Man spüre dies aber nicht sofort im Alltag. Diversität sei wie der Eiffelturm: Wenn eine Schraube entfernt werde, passiere noch nichts. Aber irgendwann breche der Turm zusammen. Die Geschäftswelt müsse sich wie andere auch für die Biodiversität und das Gleichgewicht engagieren.

Bundespräsidentin Sommaruga hat das WEF offiziell eröffnet. Im Bild mit WEF-Gründer Klaus Schwab.

Bundespräsidentin Sommaruga hat das WEF offiziell eröffnet. Im Bild mit WEF-Gründer Klaus Schwab.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Auch für die internationale Politik sei das Gleichgewicht entscheidend. Exzesse seien wie zurückschwingende Pendel. Jedes Handeln habe Gegenreaktionen zur Folge. «Nutzen wir die Zeit hier für den Dialog und zum Handeln», sagte sie abschliessend.



11 Uhr: WEF-Gründer Schwab ruft zum Dialog und zum Handeln auf

Schwab erinnerte an die Gründung des WEF vor fast 50 Jahren. Damals schon habe das Stakeholder-Konzept im Zentrum gestanden. Und so sei es noch heute. Die Unternehmer und Wirtschaftsführer hätten erkannt, dass sie auch soziale Organismen mit entsprechender Verantwortung seien.  Die Welt befinde sich in einem katastrophalen Zustand und das Fenster zum Handel schliesse sich. Es brauche Lösungen für den Klimawandel. Auch die nächste Generation habe das Recht auf eine bewohnbare Erde. Die Herausforderungen seien so gewaltig, dass man nur globaler Kooperation vorankomme. Es brauche Austausch und Dialog, nicht Konfrontation. Dieses Jahrestreffen solle aber nicht nur aus Reden, sondern auch aus Taten bestehen, hielt er fest. Geplant sei beispielsweise eine Plattform für die Pflanzung einer Billion von Bäumen.



10.45 Uhr: Eröffnungszeremonie beginnt

Um 10.45 beginnt die Eröffnungszeremonie für die 50. Ausgabe des WEF. Die Reden halten die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, WEF-Gründer Klaus Schwab und US-Präsident Trump.



10.30: Warten auf die Eröffnungszeremonie 

Warten auf Trump: in der grossen Halle des Kongresszentrums gibt es weniger Sitze als Interessenten. Reservierte Plätze haben einige Offizielle: bereits unter den Wartenden sind die Bundesräte Cassis, Parmelin, Berset, Maurer und SNB-Präsident Jordan. In den vorderen Reihen mit den Schweizer Bundesräten sind auch der Erbprinz von Liechtenstein und der Liechtensteiner Regierungschef zu sehen.



09.50 Uhr: Klimaaktivisten auf Wanderwegen unterwegs

Klimaaktivisten und WEF-Gegner versammeln sich vor der Arena in Klosters für die letzte Etappe ihrer Winterwanderung. Da sie keine Bewilligung für die Hauptstrasse erhalten haben, wandern sie auf Wander- und Schlittelwegen nach Davos. Die Organisatoren warnen davor, dass der erste Abschnitt der Wanderung steil sei und durch den Schnee führe. Alternativ könne das erste Stück auch mit dem Zug zurückgelegt werden.

Die Klimawanderer beim Start in Klosters

Die Klimawanderer beim Start in Klosters

Katrin Büchenbacher

Fredi Leibundgut, 68, aus Davos demonstriert zum ersten Mal gegen das WEF und fürs Klima Er fürchte sich um die Zukunft seiner Enkelkinder, sagt er. Zudem finde er es eine Frechheit, dass die Gemeinde nur für 300 Demonstranten die Bewilligung erteilt hat. «Für die Mächtigen wird Platz geschaffen, nicht aber für uns Unbequeme».

Ein 28-jähriger Demonstrant hofft auf eine friedliche Wanderung ohne Repression. Vier Polizisten sind präsent, ein Polizeiauto patrouilliert gegenüber vom Hotel Silvretta in Klosters. Die Zahl der Klimawanderer beträgt gemäss dem Organisator Strike-WEF geschätzte 600-700 Personen.



10 Uhr: Keine Trump-Euphorie in Davos

Allgemein scheint Trumps Ankunft unter den Einheimischen in Davos auf wenig Interesse zu stossen. Ein älterer Herr aus Davos, der sich unter die Schaulustigen gemischt hatte, meinte, dass die Stimmung unter vielen Einheimischen wegen des WEF schlecht sei. Verstopfte Strassen, überteuerte Hotelpreise, ausgeräumte Geschäfte und Kinder, die wegen des Verkehrs zu spät zur Schule kommen würden, würden für Unmut sorgen.



9.40 Uhr: Trumps sieben Helikopter sind in Davos gelandet

Ein Fahrzeugkonvoi bringt den US-Präsidenten ins Hotel.

Ein Fahrzeugkonvoi bringt den US-Präsidenten ins Hotel.

Arnd Wiegmann / Reuters

Trump bei der Ankunft in Davos.

Trump bei der Ankunft in Davos.

Arnd Wiegmann / Reuters

Um 9.40 Uhr landet Trumps Helikopter-Konvoi auf dem Landeplatz in Davos. Die Autos, die Trump ins Intercontinental-Hotel (Goldenes Ei) bringen sollen, stehen bereit.

Marine One im Landeanflug.

Marine One im Landeanflug.

Gian Andrea Marti



9 Uhr: Davos erwartet den US-Präsidenten

In Davos wird nun jede Minute Trumps Ankunft erwartet. Um den Helikopterlandeplatz vor dem Intercontinental Hotel hält sich der Aufmarsch von Schaulustigen aber in Grenzen, was auch an der klirrenden Kälte liegen dürfte. Gut zwei Dutzend Journalisten und einige Schaulustige haben sich versammelt. Am Himmel über Davos kreist ein Helikopter. Der Landeplatz wird von schwerbewaffneten Sicherheitskräften abgesichert.

Auch einige Klimaaktivisten scheinen unter den Schaulustigen in Davos zu sein, die Trumps Ankunft erwarten. Im Schnee auf einem Hang gegenüber des Landeplatzes steht in grossen Buchstaben «act on climate».

Auf dem Landeplatz in Davos hält sich der Publikumsandrang in Grenzen.

Auf dem Landeplatz in Davos hält sich der Publikumsandrang in Grenzen.

Gian Andrea Marti

Für Trump gedacht: «Act on climate» am einem Hang gegenüber des Landeplatzes.

Für Trump gedacht: «Act on climate» am einem Hang gegenüber des Landeplatzes.

Gian Andrea Marti



8.50 Uhr: Marine-One-Helikopter gestartet

Die Marine Ones heben ab. Sieben Helikopter fliegen mit Trump in Richtung Davos. Die Eskorte dreht eine Runde vor der Zuschauerterrasse. Marine Ones, Black Hawks und Schweizer Super Pumas zählen zum Tross. Wo Trump drin sitzt, ist analog zu den Air Force Ones aus Sicherheitsgründen nicht bekannt.



8.50 Uhr: Marine Ones startbereit

Die Marine Ones von Trumps Delegation bereiten sich auf den Abflug in Richtung Davos vor. Ein lautes Knattern ist zu vernehmen. Auf dem Spotterhügel herrscht wieder andächtige Stille. Nur das Klicken der Fotoapparate ist zu vernehmen.

Unter scharfer Beobachtung: Die Marine Ones heben ab.

Unter scharfer Beobachtung: Die Marine Ones heben ab.

Florian Schoop



08.45 Uhr: Noch keine Marine Ones abgeflogen

Die Menge wird langsam ungeduldig: Keine Spur von Trump und den Marine Ones. Dafür nimmt der Flughafen wieder den regulären Betrieb auf. Dort, wo eben noch der US-Präsident gelandet ist, rollt eine Maschine der Swiss über die Piste. Was aber dauert bei Trump so lange? Will er am Ende auch im Auto nach Davos fahren und sich unterwegs verpflegen wie einst sein Vorgänger Clinton?

Trump wechselt in die Marine-One-Helikopter, die ihn nach Davos bringen.

Trump wechselt in die Marine-One-Helikopter, die ihn nach Davos bringen.

Evan Vucci / AP

Was die meisten Zuschauer - im Unterschied zu Medienfotografen - nicht sehen konnten: Die Ankunft des US-Präsident auf dem Flughafen, eskortiert von Secret-Service-Leuten.

Was die meisten Zuschauer – im Unterschied zu Medienfotografen – nicht sehen konnten: Die Ankunft des US-Präsident auf dem Flughafen, eskortiert von Secret-Service-Leuten.

Evan Vucci / AP



8.20 Uhr: US-Präsident Trump in Zürich gelandet

Eine der beiden Präsidentenmaschinen bei der Landung in Zürich.

Eine der beiden Präsidentenmaschinen bei der Landung in Zürich.

Walter Bieri, /EPA

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist um 8.20 Uhr auf Piste 16 gelandet. Kurz nachdem die Sonne über Zürich aufgegangen ist, hat die Air Force One den Boden am Flughafen Kloten berührt. Auf dem Spotterhügel herrschte für kurze zeit Aufregung. Ein wildes Klicken war zu vernehmen, gefolgt von einem hastigen Seitenwechsel. Dann war das ganze auch schon wieder vorbei. Langsam rollte die Maschine, von Polizeifahrzeugen eskortiert, von der Piste, bis die Heckflosse der weiss-blauen Maschine hinter einem Hangar verschwand.

Unter den Zuschauern machte sich etwas Enttäuschung breit. Von der Tribüne aus war es unmöglich, einen Blick auf Trump zu erhaschen. «Er hat wohl Angst davor ausgebuht zu werden», sagte einer der Spotter.



8.15 Uhr: Erste Präsidentenmaschine gelandet

Hektik auf der Zuschauertribüne: Die erste Präsidentenmaschine ist gelandet. Ob Trump allerdings in der ersten Maschine ist, ist noch unklar. Gut 15 Minuten zuvor waren bereits zwei Marine Ones gelandet, begleitet von Super Pumas und bewaffneten US-Helikoptern.

Dicht gedrängt: Spotter auf dem Beobachtungshügel.

Dicht gedrängt: Spotter auf dem Beobachtungshügel.

Florian Schoop



7.30 Uhr: Das grosse Warten der Spotter

Mit Kameras, Feldstechern und Leuchtwesten ausgerüstet standen auf der Terrasse auch zwei pensionierte Flughafenmitarbeiter. Sie hatten sich rechtzeitig die besten Plätze gesichert. Die Zeiten hätten sich geändert, die Sicherheitsvorkehrungen seien heute um einiges restriktiver als  Präsident Clinton einst am WEF zu Gast war. Damals waren die beiden Spotter für die Wartung der Marine Ones zuständig gewesen. Clinton hatte sich damals auf dem Weg nach Davos an einer Raststätte einen Burger genehmigt. Heute sind die beiden Spotter nur zum Fotografieren gekommen. Und Trump wird voraussichtlich direkt mit dem Helikopter ans WEF fliegen. Nicht alle sind nur wegen der Flugzeugen gekommen. Der umstrittene Präsident hat in Zürich offensichtlich auch Fans. Zumindest sah man in der Menge vereinzelt auch Amerika-Flaggen und ein Mann trug eine Trump-Flagge um die Schultern.



7 Uhr Flugzeug-Enthusiasten in Position

Auf dem Spotterhügel am Flughafen Zürich ist es fast andächtig still. Flugzeug-Enthusiasten haben sich in Position gebracht, einer dreht an den Reglern seiner Kamera, ein anderer verrückt ein Bein seines Stativs einen Zentimeter weiter nach rechts, dann wieder nach links. Zwischendurch erklingen Funksprüche des abgehörten Flugfunks.
Auf dem Flugfeld aber ist alles wie immer. Swiss-Maschinen heben ab, andere kommen an. Der Himmel über Zürich ist noch nicht gesperrt für die Ankunft des US-Präsidenten. Das bedeutet: warten, weiter warten.



8.30 Uhr: Junge Klimaaktivisten fordern in Davos stärkere Mitsprache

Um 8.30 Uhr nahm Greta Thunberg an einer ersten Diskussion «Einen nachhaltigen Weg für eine gemeinsame Zukunft schaffen» teil. Auf dem Podium waren auch junge Aktivisten aus Costa Rica, Südafrika und Kanada. Die jungen Klimaaktivisten wie Greta Thunberg haben eine stärkere Mitsprache ihrer Generation beim Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Die Politik habe die Erfahrung, die jungen Leute die Ideen, sagte Natasha Mwansa aus Sambia. Sie müssten besser integriert werden. Es gehe nicht um Reden, sondern um Handlungen und Unterstützung. «Was zählt ist, was wir zu Hause machen. Wir werden nicht immer in Davos sein.»

Thunberg forderte, die Wissenschaft stärker einzubinden. «Wir müssen die Krise behandeln als das, was es ist: Eine Krise», sagte die 17-jährige Schwedin. «Es muss viel mehr passieren, dies ist erst der Anfang. Persönlich könne sie sich über Aufmerksamkeit nicht beklagen. «Aber die Wissenschaft und die Stimmen der jungen Generation stehen nicht im Zentrum der Debatte. Doch das müssen sie.»

Salvador Gomez-Colon von der Karibikinsel Puerto Rico forderte, die Klimakrise nicht zu politisieren. «Es ist keine politische Frage.» Die Kanadierin Autmun Peltier kritisierte, die Menschen konzentrierten sich nur auf Geld. «Wir müssen uns aber darauf fokussieren, was passiert», sagte sie. Mwansa betonte, es sei wichtig, dass Politiker Gesetze einbringen. «Aber die Macht liegt nicht nur bei ihnen, sondern in jedem Einzelnen.»

Vor dem Saal, indem das Panel mit ihr stattfindet, stehen die Leute derweil Schlange. Darunter sind vergleichsweise viele jüngere Teilnehmer und Medienvertreter, aber auch Geschäftsleute aus aller Welt. Sie können den Anlass hier live mitverfolgen.



7 Uhr: Warten auf Trump

Vor der Zuschauerterrasse stehen Schaulustige eine halbe Stunde vor der erwarteten Ankunft von Donald Trump Schlange. Wegen der strikten Sicherheitskontrollen geht es nur langsam vorwärts. Erstmals hat der Aussichtspunkt während dem WEF geöffnet – sogar mit längeren Öffnungszeiten. Auffällig ist, dass es sich bei den Spottern grösstenteils um Männer handelt.

Schlange stehen für einen guten Platz auf der Publikumsterrasse.

Schlange stehen für einen guten Platz auf der Publikumsterrasse.

Linda Koponen

Guten Morgen. Heute wird das 50. Weltwirtschaftsforum in Davos offiziell eröffnet. Es dürfte vorerst im Schatten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump stehen, der demnächst in Zürich erwartet wird. Am WEF ist Trump in seiner Lieblingsrolle: der des Deal-Makers. Sein Besuch könnte höchstens durch die Debatte um den Klimawandel etwas an Aufmerksamkeit verlieren.



Was bringt der Tag?

  • Trump wird um 8.25 Uhr auf dem Flughafen Zürich landen und dann per Helikopter «Marine One» nach Davos weiterfliegen.
  • 08.30 Uhr: Schon vor der offiziellen Eröffnung wird Greta Thunberg an einer ersten Klimadiskussion teilnehmen. Der Anlass steht unter dem Motto «Einen nachhaltigen Weg in eine gemeinsame Zukunft gehen».
  • 11.45 Uhr: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, WEF-Gründer Klaus Schwab und US-Präsident Trump werden das WEF offiziell eröffnen.  
  • 14.15 Uhr: Der stellvertretende Regierungschef Han Zheng spricht.



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