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Der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel | Deutschland | DW

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Sie war das Symbol für die Teilung der Welt in Ost und West, für den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus: die 1961 von der diktatorisch regierten Deutschen Demokratischen Republik (DDR) errichtete Mauer in Berlin. Der westliche Teil war zwar von einer 155 Kilometer langen Sperranlage aus Beton und Stacheldraht umgeben, aber trotzdem konnten die Menschen ungehindert überall hinreisen. West-Berlin war also eine Insel der Freiheit mitten auf dem Gebiet der kommunistischen DDR.

Hingegen blieb für die allermeisten Ostdeutschen der so nahe Westen über Jahrzehnte ein unerreichbarer Sehnsuchtsort. Das änderte sich schlagartig am Abend des 9. November 1989, nachdem auf einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ost-Berlin ein neues Reisegesetz verkündet wurde. Demnach sollten auch Reisen in den Westen erlaubt werden – ab sofort! 

Auto-Kolonnen der DDR-Marken „Trabant“ und „Wartburg“ am berühmten alliierten Grenzübergang „Checkpoint Charlie“

Die Bilder jubelnder Menschen an geöffneten Berliner Grenzübergängen gingen um die Welt. Sie markierten auf anrührende Weise das faktische Ende der deutschen Teilung. Knapp ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, feierte das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs politisch geteilte Land seine Wiedervereinigung. Möglich wurde dieses welthistorische Ereignis aber nur, weil die vier Siegermächte einverstanden waren: die demokratischen Westalliierten USA, Großbritannien und Frankreich sowie die kommunistische UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken).

Zauberworte „Glasnost“ und „Perestroika“

Entscheidend waren die Zugeständnisse, die der 1985 an die Macht gekommene sowjetische Reform-Kommunist Michail Gorbatschow machte. So sieht es auch der Direktor der Gedenkstätte Berliner Mauer, Axel Klausmeier. Gorbatschows Politik der Offenheit (Glasnost) und des Umbaus (Perestroika) war ein Bruch mit der sogenannten Breschnew-Doktrin, die vorgeschrieben hatte, dass die im „Warschauer Pakt“ vereinten europäischen Länder nicht von dem Kurs abweichen, den der Kreml in Moskau vorgab.

Klausmeier fasst das Ende des Dogmas in einem Satz zusammen: „Egal, was in den sozialistischen Bruderstaaten passiert, diese Staaten sind für sich selbst verantwortlich“. Anders als in den Jahrzehnten davor, schritten die Sowjets nicht mehr ein, als in Polen, Ungarn oder der DDR der Ruf nach demokratischen Reformen immer lauter wurde. Vor der Ära Gorbatschow waren alle Freiheitsbestrebungen im sogenannten Ostblock von der UdSSR brutal niedergeschlagen worden: 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei.

Polen bricht Machtmonopol 

Bürgerrechtler in ganz Osteuropa fühlten sich ermuntert, auch in ihren Ländern auf Glasnost und Perestroika zu drängen. In Polen gab es schon seit Sommer 1988 Kontakte zwischen der kommunistischen Führung und der offiziell noch verbotenen Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Eine wichtige Etappe auf diesem Weg waren die polnischen Parlamentswahlen im Juni 1989, an der erstmals oppositionelle Kandidaten teilnehmen durften. Allerdings ließen sich die seit Jahrzehnten herrschenden Machthaber vorab knapp zwei Drittel der Sitze zusichern.

Auch in  anderen Ländern mehrten sich die Hinweise auf eine Zeitenwende. In Ungarn hatte die Regierung schon im Mai damit begonnen, die Überwachungsanlagen an der Grenze zu Österreich abzubauen. Dadurch wurde der Weg in die Freiheit an dieser Nahtstelle zwischen Ost- und Westeuropa weniger gefährlich. Hunderte DDR-Bürger kehrten deshalb auf diesem Umweg ihrer Heimat den Rücken.

 

Deutschland Montagsdemonstration in Leipzig 1989 (picture-alliance/Lehtikuva Oy/H. Saukkomaa)

Leipzig, 9. Oktober 1989: 70.000 Menschen demonstrieren friedlich für Reformen in der DDR

Gleichzeitig flüchteten im Sommer 1989 viele Tausende, indem sie sich Zugang zu westdeutschen Botschaftsgebäuden in osteuropäischen Ländern verschafften. Der Unmut wuchs täglich und damit der Druck auf das Regime in Ost-Berlin. Ab September gingen in der Messestadt Leipzig immer montags mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße. Als Höhepunkt gilt der 9. Oktober, als 70.000 Menschen friedlich für Veränderungen in der DDR demonstrierten.

„Wir haben gewonnen“

In Sprechchören skandierten sie „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“. Weil man nicht wusste, wie das Regime reagieren würde, sei die Angst „enorm groß“ gewesen, weiß der Berliner Gedenkstätten-Leiter Klausmeier von vielen Zeitzeugen. Als aber bei dieser Demonstration nicht eingegriffen wurde, habe auch die Opposition das Gefühl gehabt: „Wir haben gewonnen.“

Am 9. November war es dann soweit: Günter Schabowski, Ost-Berliner Chef der Staatspartei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland) verkündete ein neues Reisegesetz. Er löste damit, ob in dieser Form gewollt oder nicht, den Fall der Berliner Mauer aus. 30 Jahre danach sind noch nicht alle mentalen Mauern überwunden. Bei den Lebensverhältnissen zwischen Ost und West gibt es weiterhin große Unterschiede.  

Deutschland Alexanderplatz-Demonstration 1989 (picture-alliance/dpa)

4. November 1989: Auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrieren eine halbe Million Menschen gegen das DDR-Regime

So erreichen die Löhne in den neuen Bundesländern laut dem jüngsten Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit im Durchschnitt nur 82 Prozent des Westniveaus. Abwanderung und Geburtenrückgang haben in den neuen Bundesländern zu Fachkräftemangel und Überalterung der Bevölkerung geführt. Und noch immer ist kein einziges ostdeutsches Unternehmen ist im Börsenleitindex DAX-30 notiert.

Die ehemalige Ost-Beauftragte der Bundesregierung Iris Gleicke erklärt, warum sich viele Ostdeutsche weiterhin als Bürger zweiter Klasse fühlen: „Alle diese Versprechungen von blühender Landschaften in kürzester Zeit haben dazu geführt, dass in Ostdeutschland der Eindruck entstanden ist: Das geht alles ganz schnell. Die Enttäuschung darüber, dass es länger dauert, wirkt bis heute fort.“

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine friedliche Revolution und eine historische Zeitenwende. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich dafür persönlich bei Michail Gorbatschow bedankt. In einem Brief an den ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträger schreibt er: „Das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung wäre ohne die mutigen und menschlichen Entscheidungen, die Sie damals getroffen haben, nicht möglich gewesen.“





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Korrektur bei Umsatz und Gewinn: Bei VW ist das „Beste der Party vorbei“

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Auch dem größten Autobauer der Welt bereitet die Lage in der Branche Probleme. VW-Chef Diess korrigiert nun die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn nach unten. Er ist aber zuversichtlich, was die Elektrooffensive angeht.

Die Probleme der Autoindustrie gehen auch an Volkswagen nicht vorbei. Umsatz und Gewinn werden langsamer steigen als bislang erwartet, räumten Konzernchef Herbert Diess und Finanzvorstand Frank Witter in einer Telefonkonferenz mit Analysten ein. Die Aktie der Wolfsburger sackte ab. Seit Jahresbeginn ist der Kurs jedoch um 30 Prozent nach oben geklettert. Das ist mehr als der Durchschnitt der größten europäischen Autobauer und Zulieferer.

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Diess sagte, großes Wachstum werde es auch kommendes Jahr im Markt nicht geben. Witter fügte hinzu: „Das Beste der Party ist vorbei.“ Der Umsatz soll 2020 nun nur noch um mindestens 20 Prozent gegenüber 2016 wachsen, statt der bislang erwarteten 25 Prozent. 2016 machte VW gut 217 Milliarden Euro Umsatz. Davon ausgehend kalkulieren die Wolfsburger nun mit mindestens knapp 261 Milliarden Euro Erlös im kommenden Jahr.

VW konzentriert sich nach dem Dieselskandal mit manipulierter Abgassoftware vor allem aufs Kostensparen und die Vermeidung unnötiger Investitionen. Der Abgasskandal kostete den Konzern bereits 30 Milliarden Euro. Den Absatz zu pushen, stehe auf der Prioritätenliste nicht mehr ganz oben, sagte Witter.

Elektrooffensive soll vor EU-Strafen schützen

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Diess.

(Foto: dpa)

Nun steht die von Diess verordnete Elektrooffensive im Vordergrund. Die gleicht einer Flucht nach vorn, da im kommenden Jahr in der EU strengere CO2-Abgasregeln gelten. Für beide Jahre sei man zuversichtlich, die CO2-Ziele einzuhalten, sagte Diess. 2020 müsse man dafür rund vier Prozent der Autos als Elektroautos verkaufen, im Jahr danach wolle VW den Anteil auf acht Prozent verdoppeln. Der Konzern teilte zudem mit, das neue E-Auto ID.3 werde von Herbst 2020 an auch in der Gläsernen Manufaktur in Dresden montiert. Damit sei der VW-Standort in Sachsen zukunftsfest, hieß es in einer Mitteilung.

Um die nötigen Milliarden für neue Antriebe und neue Technik freizumachen, muss VW knapp kalkulieren und will unter anderem Stellen abbauen. In den kommenden fünf Jahren sind 60 Milliarden Euro für Elektromobilität, Vernetzung und Software vorgesehen – rund 40 Prozent des gesamten Investitionsbudgets. Ausgehend vom geringeren Umsatzwachstum wird im kommenden Jahr aber nun auch weniger Gewinn bei Volkswagen übrigbleiben. Das Renditeziel für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen bleibt bei 6,5 bis 7,5 Prozent.

Renditeziele bei Audi werden womöglich verpasst

Fraglich sind die Renditepläne bei der Premiumtochter Audi. Diese im kommenden Jahr zu erreichen, werde anstrengend, sagte Witter. Womöglich lande man am Ende noch nicht ganz im Bereich von neun bis elf Prozent Umsatzrendite. Audi verkauft derzeit deutlich weniger Autos als die Rivalen Mercedes-Benz und BMW. Die Werke sind nicht ausgelastet, was die Ingolstädter teuer zu stehen kommt.

Auch in China rechnet VW mit weniger Gewinnen. Seit über einem Jahr schwächelt der wichtigste Einzelmarkt vor allem bei den Massenmodellen, bei denen VW im Land Marktführer ist. Zwar steht Volkswagen besser da als so mancher Konkurrent, aber ursprünglich hatten sich die Wolfsburger auch hier für das nächste Jahr mehr ausgerechnet, wie Witter einräumte. China steht bei der Kernmarke VW Pkw für rund die Hälfte aller Auslieferungen, im Konzern für rund 40 Prozent.



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bewegungblau.de – Die Parallel-Regierung. 009 – Abgeordnete.

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#Politik #Chancengleichheit #bewegungblau

Die Parallelregierung. Bewegung für Deutschland.

▬ Über diesen Kanal ▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬

Mit „bewegungblau“ verändern Sie Deutschland durch einen politischen Neustart.

Was ist bewegungblau?
bewegungblau ist eine neue geradezu revolutionäre Form der Mitbestimmung. Es verändert das Demokratieverständnis von Grund auf.

Es stillt die Sehnsucht der Menschen nach unmittelbarer Mitbestimmung. Es beendet die in Deutschland bestehende Sekunden-Demokratie und ermöglicht die permanente – also andauernde – Demokratie.

Es genügt den Menschen nicht mehr nur alle vier Jahre für wenige Sekunden echte Demokratie zu spüren, nämlich dann, wenn sie in der Wahlkabine zwei Kreuze machen.

Bereits kurze Zeit später sind die zwei Kreuze selbst das Papier auf dem Sie gemacht wurden nicht mehr wert.

Was will bewegungblau?
Die Frage muss eigentlich lauten: Was wollen die Menschen. bewegungblau will, was die Menschen wollen.

Die Menschen wollen etwas gegen ihre Unzufriedenheit tun. Gegen ihre Unzufriedenheit darüber, dass Sie nicht gefragt werden, dass über Ihre Köpfe hinweg regiert wird,

dass dieses Regieren zudem als sehr mangelhaft empfunden wird, dass Sie spüren und wissen, dass Sie bei jeder der bisher 19 Bundestagswahlen belogen wurden,

dass sie durch mehr oder weniger billige Versprechungen gekauft wurden und weiterhin werden.

Die Menschen haben erkannt, dass sich nichts, aber auch wirklich nichts, ändern wird, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert.

Allerdings kann nicht der einzelne Bürger selbst und allein ein neues System erdenken, das die vielschichtigen Probleme unserer Zeit löst.

Hierzu bedarf es der klügsten Köpfe in unserem Lande, den Experten und engagierten Mitgliedern von bewegungblau, also auch Ihnen.

Warum bewegungblau?
Weil es an der Zeit ist, das Lagerdenken Links, Mitte, Rechts zu überwinden. Da jedes Lager seine negativen, aber auch positiven Seiten hat, ist es für den Wähler schwierig, sich für ein Lager zu entscheiden.

Deshalb wählt er stets das kleinere Übel. Bei bewegungblau wählt er nicht Politiker bzw. die Meinung der Politiker, sondern er wählt sich selbst, seine eigene Meinung.

bewegungblau wird dem Poltikgezänk, der Politik-Show in Deutschland ein Ende bereiten. Diese Politik-Show dient ohnehin nur einem Zweck, nämlich die Menschen zu beschäftigen und von den eigentlichen, wichtigen Themen abzulenken.

Jede Woche wird eine andere unbedeutende Sau durch’s Dorf getrieben. Die Menschen haben begriffen, dass diese fortwährende Politik-Show nichts ändert – rein gar nichts.

Der Nichtwähler hat dies bereits erkannt. Die Nochwähler erkennen dies in immer größerem Maße.

Alle reden nur, bewegungblau tut etwas. Es ist Zeit für echte Demokratie, für Basisdemokratie. Hierzu nutzt bewegungblau die modernen Techniken wie das Internet als einfache und bequeme Möglichkeit mit Freude an Lösungen mitzuarbeiten und mitzubestimmen.

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Börsengang: Skepsis gegenüber Saudi Aramco | Wirtschaft | DW

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Dieser Börsengang ist das Vorzeigeprojekt des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, und der hat bessere Publicity dringend nötig – aber dazu später… Der Börsengang, so wollte es der Kronprinz seit der ersten Vorstellung des Vorhabens, sollte gigantisch werden. Größer als alle Börsengänge bisher, und er sollte ein Unternehmen bewerten, das größer ist als alle anderen: Saudi Aramco, der saudische Erdölkonzern, fest in der Hand der Herrscher-Familie; ein Unternehmen, das dafür gesorgt hat, dass das Königshaus genug Geld hat, um seine Macht auszubauen, und der dafür sorgen soll, dass das auch so bleibt.

Geht alles nach Plan – so wie er nun seit Sonntag umgesetzt wird – dann dürfte Aramco an der Börse bald mit einer Summe zwischen 1,6 und 1,7 Billionen Dollar bewertet werden.  Das ist deutlich weniger als die rund zwei Billionen, die der Prinz und Thronfolger angestrebt hatte. Aber so ganz rund lief die Sache bisher eben nicht. Mittlerweile ist klar, dass die Aramco-Aktie – insgesamt rund drei Milliarden Papiere oder 1,5 Prozent der Gesamtzahl – nur in Saudi-Arabien selbst angeboten wird. Die Welt-Börsen etwa in den USA bleiben außen vor. Das hat auch damit zu tun, dass sich der Staatskonzern wohl nicht allzu tief in die Bücher schauen lassen wollte – das wäre aber Voraussetzung für eine Platzierung an Börsen wie New York, London oder Hongkong.

Am 5. Dezember steht der Preis

Seit Sonntag läuft die Zeichnungsfrist für die Aktie – bis zum 4. Dezember für institutionelle Anleger, für Privatleute ist es eine Woche weniger. Die Preisspanne dafür wurde am Sonntag zunächst zwischen 8,00 und 8,50 Dollar festgelegt. Am 5. Dezember soll dann der endgültige Ausgabepreis benannt werden. Je nachdem, wie die Nachfrage sich dann zeigt, könnte Aramco tatsächlich den größten Börsengang aller Zeiten hinlegen. Bisheriger Rekordhalter ist die chinesische Handelsplattform Alibaba mit Börsen-Einnahmen von 25 Milliarden Dollar.

Nach Berichten von saudischen Zeitungen wollen bis zu fünf Millionen Menschen im Lande selbst die Papiere zeichnen. Viele sehen das als Ausdruck ihres Patriotismus an. Kolumnist Anwar Aboalela schrieb auf Twitter: „Am IPO teilzunehmen ist eine nationale Pflicht für jeden, der es sich erlauben kann.“

Skepsis bei den Großen

Große Investoren aus dem Ausland haben für solche Appelle naturgemäß weniger Verständnis. Und sie haben auf die Preisvorstellungen der saudischen Herrscher derart skeptisch reagiert, dass der Börsengang mehrfach verschoben werden musste. Bereits im Jahr 2016 hatte der starke Mann des Regimes, Kronzprinz Mohammed bin Salman, den Aramco-Deal im Rahmen seines gigantischen Reformprojekts „Vision 2030“ vorgestellt.

Saudi-Arabien Erdölraffinerie von Saudi Aramco in Abqaiq (Reuters/M. Shemeto)

Erdölraffinerie von Saudi Aramco in Abqaiq

Seither hat sich der Ölpreis nicht zu Gunsten der Saudis entwickelt. Anfang des Jahrtausends stieg der Ölpreis von einem Rekord zum nächsten, die Geldmaschine lief. Etwa seit 2014 ändert sich das, der Ölpreis erlebt seither wilde Schwankungen, der Gewinn auch von Amaco, wenngleich immer noch gigantisch, geht zurück: In diesem Jahr bis Ende September erzielte Aramco einen Gewinn von 68,2 Milliarden Dollar im Vergleich zu 83,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum – in neun Monaten sackte er also um 18 Prozent ab.

Politische Gefahren tun das Ihre. Im vergangenen September legte ein Angriff auf saudische  Ölanlagen die Produktion teilweise lahm. Betroffen war gut die Hälfte der Förderung im Land. Die Spannungen in der Region – auch die mit dem Dauerrivalen Iran – hat das saudische Herrscherhaus in Teilen selbst zu verantworten.

Der barbarische Mord

Und dann ist da noch der Fall Khashoggi: der barbarische Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im letzten Jahr, der in der Botschaft des Landes in der Türkei einer Falle zum Opfer fiel. Der saudische Machthaber Mohammed bin Salman bestritt jede direkte Verantwortung, eine Sonderermittlerin der UNO verlangte aber, gegen ihn selbst strafrechtlich vorzugehen, und den Eindruck, hier habe der angebliche Reformer seine düstere Seite gezeigt, wird er seither nicht mehr los.

Dabei hatte der Kronprinz mit seiner „Vision 2030“ einen Reform-Umbau der Wirtschaft – und wohl auch der Gesellschaft – für Saudi-Arabien in Aussicht gestellt: „Der letzte Versuch der Saudis“, so urteilt der Nahost-Experte Guido Steinberg, „mit einer ganz, ganz großen Reform ihr Land in dem Fall zu retten, dass das Öl zur Neige geht“. Das Geld aus dem Öl sollte in Branchen für die Zeit nach dem Öl investiert werden.

 Infografik Kennziffern des Ölkonzerns Saudi Aramco DE

Energiewende statt Aramco?

Dass das Öl so bald zur Neige gehen könnte, mag man in Zweifel ziehen – immer fraglicher wird aber, ob weiter so viel Öl wie bisher nachgefragt wird. Längst hat die sogenannte Energiewende auch das Rohöl erfasst. „Die Attraktivität der Branche hat stark gelitten“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ und zitiert aus einer Analyse der Marktforschungsfirma IHS Markit: „In einem Szenario wird die Nachfrage nach Erdöl im Jahr 2035 schwächer, im anderen bereits Mitte der 2020er Jahre“.

Für langfristig planende Investoren – und das sind die sogenannten institutionellen Anleger, die nun für die Aramco-Aktie gewonnen werden sollen – ist „Mitte  der 2020er Jahre“ gleich morgen. Auch das ist einer der Gründe für die internationale Skepsis gegenüber dem Megaprojekt  Aramco-Börsengang. Abgesehen davon, dass man nicht so richtig weiß , wie groß die Ölreserven der Saudis tatsächlich noch sind. Nahost-Experte Steinberg am Montag im „Deutschlandfunk“: „Das ist die ganz große Frage, die Aramco in den nächsten Monaten etwas transparenter beantworten muss.“





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