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Popmusik: „Blink-182“ – Pioniere des Quengelns – Kultur

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Das Pop-Punk-Trio „Blink-182“ galt als bedauernswertes Phänomen der Nullerjahre, jetzt prägt ihr Einfluss den Hip-Hop.

Im Juli 2001 unternimmt der Schriftsteller Nick Hornby einen für ihn an Masochismus grenzenden Selbstversuch. Er hört sich die Top Ten der US-Albumcharts an und schreibt im New Yorker darüber. Alicia Keys findet er „nicht schlecht“, aber den Rest – P. Diddy & The Bad Boy Family, Eminems Rap-Kollektiv D12, Lil‘ Romeo, Linkin Park – hasst er.

Besonders intensiv ist seine Abneigung gegen das kalifornische Pop-Punk-Trio Blink-182. Allein die Genrebezeichnung Pop-Punk – ein Widerspruch in sich. Maximal verzerrte E-Gitarren und Power-Akkorde, aber eben auf Hochglanz poliert, die Stimmen korrigiert; auf jede unverschämt eingängige Gitarrenfigur folgt eine unverschämt eingängige Gesangsmelodie, dazu die unflätigen Texte. Damit steht Hornby nicht allein, Blink-182 gelten als bedauernswerte Modeerscheinung: Pausenhofclowns, die Pornostars vom Albumcover lächeln lassen, die ihre Tour, kein Scherz, „PooPoo PeePee“ nennen, die das Punk-Erbe mit Füßen treten.

Jetzt aber fast forward in die Gegenwart. These: Keine Rockband ihrer Ära hatte einen ähnlich weitreichenden Einfluss auf die Popmusik der folgenden Generation. (Außer Radiohead. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Würde Hornby seinen Selbstversuch dieser Tage wiederholen, würde er eine Menge Hip-Hop hören – Rockmusik als dominantes Genre ist abgelöst. Blink-182 würden ihm jedoch wiederbegegnen, wenn auch indirekt, als prägender Einfluss auf gerade taktgebende Hip-Hop-Künstler.

Das am häufigsten kopierte Element des Blink-182-Sounds ist deren ehemaliger Sänger Tom DeLonge. Dessen kompromisslos schräger Gesangsstil – ein nasales, sprachgestörtes Quengeln, das jedem Wort ein paar Vokale hinzufügt – ist ein wesentlicher Baustein für den ostentativ deprimierten Hip-Hop der Stunde. Markierten viele Rapper ihren Status vorher mit obszönem Reichtum, ihre Nähe zu Gangs oder der ständigen Verfügbarkeit attraktiver Frauen, gilt nun die Unfähigkeit, sich über diese Dinge zu freuen, als Statussymbol. Und da kommt der DeLonge’sche Klagegesang ins Spiel.

Abgründiges Gegenstück zum hedonistischen, mit der Skatekultur assoziierten Pop-Punk ist das Mitte der Nullerjahre populäre Punk-Subgenre Emo, in dem Ängste und Selbsthass in die Welt hinausgeschrien werden. Zwar spielte Schuljungenhumor im Werk von Blink-182 die größere Rolle, aber Emo-Tendenzen gab es auch, besonders zum Beispiel in ihrem sehnsüchtigen Hit „I Miss You“ von 2003, dessen zweite Strophe die wohl heftigste Demonstration des DeLonge-Stils ist.

Lebensmüdigkeit ist offenbar der vorherrschende Zustand im Amerika der Gegenwart

Bei Lil Peep und Lil Uzi Vert, zwei Superstars der „Cloud Rap“ genannten Stilrichtung, ist nun die Bezugnahme auf DeLonge und die Emo-Tradition am deutlichsten erkennbar. Der im November 2017 mit nur 21 Jahren verstorbene Lil Peep, der posthum zur Mainstream-Figur wurde, variiert zum Beispiel in „Awful Things“ (140 Millionen Plays auf Spotify) über einen Trap-Beat singend eine typisch leidende DeLonge-Melodie. Lil Uzi Verts bekanntester Song „XO Tour Llif3“ wurde mehr als eine Milliarde Mal bei Spotify gehört.

Das Verbinden und Vermischen scheinbar gegensätzlicher Stilrichtungen, wie Pop-Punk und Hip-Hop, ist das wesentliche Merkmal gegenwärtiger Top-40-Popmusik. Die erfolgreichste Single des Jahres, „Old Town Road“ von Lil Nas X, lässt zum Beispiel Country-Sentimente auf Trap treffen. Post Malone, der größte Popstar unter 25, hat die genreübergreifende Klangästhetik luxuriöser Tristesse perfektioniert und beklagt sing-rappend seine alltäglichen Exzesse. Wie kommt es zu diesen erstaunlichen Genreverbindungen, die eine eindeutige Kategorisierung, wie sie das amerikanische Branchenblatt Billboard noch immer versucht, verweigern?

Durch Filesharing-Webseiten und Streaming-Plattformen sind sämtliche Stilrichtungen für junge Künstler zu gleichrangig und ständig verfügbaren Inspirationsquellen geworden. Um Lebensmüdigkeit auszudrücken – einen im von Drogenabhängigkeit gezeichneten Amerika offenkundig vorherrschenden Gemütszustand – wird die dominante Stilrichtung Hip-Hop durch Pop-Punk- und Emo-Elemente ergänzt. Gleichzeitig ist die Schwelle zur Produktion und Distribution eigener Musik niedrig wie nie. Die Online-Plattform Sound Cloud, die dem Cloud-Rap seinen Namen gibt, ist in den Zehnerjahren zum wichtigsten Umschlagplatz für Künstler wie Lil Peep und Post Malone geworden, die dort ihre im Heimstudio – nicht selten nur ein Laptop mit integriertem Mikrofon – aufgenommenen Tracks hochluden. In einer auf Streaming-Dienste ausgerichteten Popmusik, wie der Popkritiker Joe Coscarelli kürzlich anmerkte, soll ein möglichst eklektischer Stilmix innerhalb eines Albums (oder eines Songs) zudem die Aufmerksamkeit der Hörer halten.

Bisher hat sich die Anerkennung halb so alter und immens erfolgreicher Künstler für Blink-182 nicht in einer kommerziellen Renaissance bemerkbar gemacht. Ihr aktuelles Album „Nine“ rangiert nach nur drei Wochen in den Billboard-Charts zurzeit auf Platz 130. Dass sie die Rezeption der nächsten Generation aber beobachten, liegt auf der Hand. Sie greifen auf „Nine“ selbst Cloud-Rap-Elemente auf. Drummer Travis Barker spielt zum Kopfnicken einladende Halftime-Grooves; die Triolen seiner Hi-Hat erinnern an Patterns, die Cloud-Rapper sonst auf einer Roland TR-808 programmieren. Der zweite Sänger Mark Hoppus, der nun ohne den geschassten Tom DeLonge auskommen muss, singt gleich in der ersten Strophe des ersten Lieds von Alkohol und Tabletten. Er findet für seinen Weltschmerz keine neue Form und spielt weiter den Pop-Punk, den er als Teenager entwickelt und in seinen frühen Zwanzigern zum Welterfolg gemacht hat und der, von Männern in ihren Mittvierzigern gespielt, nicht mehr den gleichen Charme hat.

Eine reizvolle Kollaboration hat es aber nicht auf das Album geschafft, weil sie bald ihre eigene EP bekommen soll. Die Band ließ verlauten, kürzlich mit Lil Uzi Vert im Studio gewesen zu sein. Für Blink-182 ist diese Zusammenarbeit ein Gewinn, unabhängig von der Qualität der noch unveröffentlichten Musik. Dass ein Superstar der nächsten Generation mit ihnen gemeinsame Sache macht, an einem sonst nicht sehr glücklichen Punkt in ihrer Karriere, bestätigt ihren Status als Pioniere.



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