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Russland will Kohleexporte nach China verdoppeln — RT Deutsch

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Der von Deutschland in der EU angetriebene Kohleausstieg verunsichert die europäischen Kohlemärkte, was dazu führt, dass Kohleexporteure wie Russland andere Abnehmer suchen. Prognosen zeigen, dass Asien – und vor allem China – in naher Zukunft sehr viel Kohle importieren wird.

Neben seinen hohen Gasexporten will Russland auch seine Kohleexporte nach China steigern und diese verdoppeln. Dabei muss Moskau mit Indonesien, Australien und den USA konkurrieren.

Russland wird seit jeher mit Öl- und Gasexporten in Verbindung gebracht, über seine Präsenz auf dem Kohlemarkt wird selten berichtet. Obwohl das Land weder der größte Kohleproduzent noch der größte -exporteur der Welt ist, scheint Russland sein strategisches Ziel, die Kohleexporte zu steigern, weiter zu verfolgen, während die inländische Nachfrage nach Kohle in Kürze abstürzen wird.

Schritt für Schritt, zunächst durch die Vorbereitung seiner freien Produktionskapazitäten und nun durch die Gewährleistung geeigneter Infrastrukturlösungen für den Transport der ganzen Güter, legt Moskau die Grundlage für eine groß angelegte Expansion, die Mitte der 2020er Jahre stattfinden soll. Wieder einmal stehen die ostasiatischen Märkte und Nationen politisch wie wirtschaftlich im Mittelpunkt der langfristigen russischen Exportpolitik.

Sinkende Kohlenachfrage als Vorbote einer Stagnation?

Auf den ersten Blick war 2019 bei Weitem kein Traumjahr für die russische Kohleindustrie. Die Kohleförderung ging gegenüber dem Allzeithoch des vorausgegangenen Jahres zwar nur um 0,2 Prozent auf 439 Millionen Tonnen zurück. Sowohl in Europa als auch in Asien haben jedoch die Preise im Sommer 2019 mehrjährige Tiefststände erreicht, insbesondere in Asien sind die Notierungen inmitten einer robusten Dynamik der Umstellung von Kohle auf Gas und wegen eines Überangebots auf dem Markt eingebrochen. Beide Preise haben sich in den Herbstmonaten etwas erholt, doch Europa erlebte im Januar einen weiteren starken Rückgang. Auch die russische Inlandsnachfrage nach Kohle stagnierte, da der Kohleeinsatz in Wärmekraftwerken – vor allem in Südsibirien, wo der Rohstoff überwiegend abgebaut wird – im Jahresvergleich um drei Prozent zurückging, während die Nachfrage nach Kokskohle stagnierte.

Diese Entwicklung könnte zwar als Vorbote einer zukünftigen Stagnation erscheinen, doch die Industrie bleibt im Hinblick auf die asiatische Nachfrage weiterhin optimistisch. Tatsächlich wird es umso interessanter, je genauer man sich die russischen Exportpläne gegenüber Ostasien ansieht.

Im Jahr 2019 wuchsen die gesamten Exporte russischer Kohle im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent – der stärkste Wachstumsgrund dafür war das Anwachsen der Lieferungen in den asiatisch-pazifischen Raum, während die oben erwähnte schwache europäische Nachfrage dem Auftrieb durch Asien entgegenwirkte.

Im Hinblick auf die Rentabilität war der asiatische Aufschwung nicht ganz so rosig – der Preis für die russische Kohle lag im letzten Jahr im Durchschnitt bei 78,10 US-Dollar pro Tonne – und damit 29 Prozent unter dem Niveau von 108,70 US-Dollar pro Tonne im Jahr 2018. Folglich sanken die Erlöse der russischen Kohleexporteure um zehn bis fünfzehn Prozent gegenüber dem Jahr 2018. Doch trotz der Preisschwäche, die angesichts des ebenso warmen Winters 2019/2020 noch weiter anhalten wird, haben große Produzenten wie SUEK oder KRU weiterhin hoffnungsvolle Visionen vor Augen. Als Beweis für ihren Ehrgeiz haben beide Unternehmen die Nachfrageschwäche von 2019 genutzt, um ihre Produktionsanlagen zu modernisieren.

LNG-Tank am Empfangsterminal im Hafen Rudong von Nantong in China (Bild vom 04.09.2018)

Unzureichende Eisenbahninfrastruktur bremst Exporte

Russlands Kohlestrategie, wie sie in der gesamten Energiestrategie des Landes bis 2035 festgelegt wurde, ist ein langfristiges Ziel, das nicht unbedingt sofort zu Ergebnissen führen muss. Im Falle von Kohleexporten in die asiatisch-pazifische Region wäre dies auch gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, da die Produzenten durch Infrastrukturbeschränkungen gebremst werden.

Wenn auch der größte Teil der Öl- und Gasexporte heute über Pipelines erfolgt, so muss doch die Kohle als Schüttgut per Bahn transportiert werden. Aus diesem Grund wird sie zum wichtigsten Exportgut, das mittels der Eisenbahninfrastruktur verkauft wird, denn Kohleexporte nehmen tatsächlich bereits 30 Prozent der Transportkapazitäten der russischen Eisenbahnen in Anspruch. Das veranlasste die Transportbehörden, nach Möglichkeiten zur Erweiterung der Transport- und damit der Exportkapazitäten zu suchen. Obwohl es zu Verzögerungen kommt, soll der Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn zunächst bis zum Jahr 2021 immerhin auf 125 Millionen Tonnen pro Jahr und bis 2024 dann auf 180 Millionen Tonnen pro Jahr ausgebaut werden.

Zu erwähnen ist dabei auch, dass Russlands wichtigstes Förder- und Produktionszentrum für Kohle, das Kusnezker Becken, ungefähr gleich weit von Westeuropa wie von Ostasien entfernt ist, daher wurde auch für die russische Exportpolitik bisher eine Art Gleichgewicht zwischen beiden Richtungen gewahrt. Europa war jedoch der Hauptgrund dafür, dass die weltweite Kohlenachfrage schließlich von Jahr zu Jahr zurückging, so dass es für Russland wenig Sinn ergibt, weiter mit gleichem Gewicht auf die EU-Märkte zu setzen.

Dennoch hat die Infrastrukturkrise den staatlichen Bahnbetreiber, die Russische Eisenbahn, dazu veranlasst, erheblich reduzierte Tarife für Lieferungen in die europäischen Häfen Russlands anzubieten. Die russischen Schwarzmeerhäfen, die für Kohletransporte am wenigsten bedeutsam sind (im Jahr 2019 wurden rund 15 Millionen Tonnen dorthin per Eisenbahn transportiert), erleben eine Renaissance des Exports, da sich die Reeder günstigere Eisenbahntarife und wachsende Mitnahmekapazitäten zunutze machen, wodurch in diesem Jahr 50 Millionen Tonnen erreicht werden dürften.

China als Hauptziel

Aufgrund der Schwierigkeiten mit den europäischen Märkten, auf denen der von Deutschland angeführte Trend zum Kohleausstiegs vorangetrieben wird, machen russische Behörden und Unternehmen keinen Hehl daraus, dass sie einen möglichst großen Anteil des asiatischen Marktes erobern wollen. Das Hauptziel ist offensichtlich: China, das mehr als die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs ausmacht und geografisch sehr günstig in der Nähe der sibirischen Kohleproduktionszentren gelegen ist. Russland exportiert bereits jetzt beträchtliche Mengen an Kohle nach China – etwa 30 Millionen Tonnen pro Jahr. Doch es besteht noch ein großes Potenzial für eine Exportsteigerung in den kommenden Jahren. Ein Problem dabei ist jedoch, dass China 2014 einen Importzoll für Kohle einführte, wobei zwar Länder, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, von dem Zoll befreit sind, doch Russland dabei „außen vor“ ließ.

Unzufrieden mit der Tatsache, dass Australien und Indonesien – die Hauptkonkurrenten Russlands auf dem chinesischen Kohlemarkt – zollfreien Handel mit China genießen, haben die russischen Behörden begonnen, nun stärker auf eine Aufhebung der Zölle für Koks und Kraftwerkskohle zu drängen. Bereits im Vorfeld könnte dieser Schritt den chinesischen Markt vollständig für russische Produzenten öffnen, was nicht nur für das Kusnezker Becken (in dem 80 Prozent der russischen Kohlegewinnung stattfindet) ein Segen wäre, sondern auch für neue ostsibirische Projekte. Der Ferne Osten Russlands hat – auch was die Kohle betrifft – spektakuläre Wachstumszahlen vorzuweisen: Ein Förderanstieg von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gelang mit über 70 Millionen Tonnen allein im Jahr 2019, und zwar speziell darauf gerichtet, einen größeren Anteil des chinesischen Marktes zu erobern.

Alles in allem erwartet das russische Energieministerium, dass sich die russischen Kohleexporte nach China innerhalb der nächsten zehn Jahre fast verdoppeln werden, und zwar auf 55 Millionen Tonnen gegenüber dem derzeitigen Stand von etwa 30 Millionen Tonnen pro Jahr.

Symbolbild: Proteste für den Klimaausstieg, Berlin, Deutschland, 20. Oktober 2017.

Weitere Expansionsmöglichkeiten

Doch Russlands Exportschub auf die asiatischen Märkte muss nicht in China enden. So deutete der indische Minister für Stahlindustrie Dharmendra Pradhan Ende November 2019 an, dass die indischen Stahlproduzenten ihre Kokskohleimporte aus den fernöstlichen Häfen von Russland „deutlich erhöhen“ würden.

Auch Vietnam ist ein heißer Absatzmarkt, da es seinen Bedarf an russischer Kohle durch die Inbetriebnahme mehrerer neuer Kohlekraftwerke verdreifachte.

Sogar langfristige Trends treiben die russische Kohleindustrie in Richtung Osten des Landes: Indonesien (heute der größte Lieferant von Kraftwerkskohle) wird in den kommenden zwei Jahrzehnten unweigerlich einen Rückgang seiner Produktion von 350 Millionen Tonnen pro Jahr um mehr als 100 Millionen Tonnen pro Jahr erleben, wobei die US Energy Information Administration davon ausgeht, dass Russland das Land innerhalb dieses Jahrzehnts als führender Exporteur von Kraftwerkskohle überholen wird.



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Polizei bestätigt 10 Todesopfer: Mutmaßlicher Täter von Hanau tot aufgefunden

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Nach den tödlichen Schüssen in Hanau fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Schützen. Wenige Stunden später findet sie ihn und eine weitere Person tot in einer Wohnung auf. Die Ermittler gehen bei der Schießerei von einer Einzeltat aus. Das Motiv ist unklar.

In Hanau haben Polizisten am frühen Morgen den mutmaßlichen Todesschützen tot aufgefunden. Spezialkräfte hätten in einer Wohnung außerdem eine weitere Leiche entdeckt, sagte ein Polizeisprecher. Es gebe keinen Hinweis auf weitere Täter. Die Zahl der Toten habe sich auf insgesamt elf erhöht. Zu den Hintergründen der Taten lägen „noch keine gesicherten Erkenntnisse“ vor, erklärte das zuständige Polizeipräsidium Südosthessen in Hanau.

Nach Zeugenaussagen zu einem Fluchtfahrzeug seien Spezialkräfte der Polizei in eine Wohnung im Stadtteil Kesselstadt eingedrungen, sagte der Sprecher. Demnach handelte es sich um die Wohnanschrift des mutmaßlichen Täters. Dort seien die beiden Toten entdeckt wurden. Die Ermittlungen zu ihrer Identität seien noch nicht abgeschlossen. Angaben zu ihrer Nationalität wie zur Nationalität der neun zuvor erschossenen Menschen könnten noch nicht gemacht werden. Die Polizei hatte die Zahl der Toten zunächst mit acht, am Morgen mit neun angeben. Außerdem wurden nach Polizeiangaben mehrere Menschen verletzt.

Der Täter griff nach Polizeiangaben am Mittwochabend gegen 22 Uhr zuerst ein Lokal am Heumarkt an, im Westen von Hanau. Dort seien mehrere Menschen erschossen worden, sagte der Polizeisprecher. Ein dunkler Wagen sei von dort davongefahren. Danach wurden im weiter westlich gelegenen Stadtteil Kesselstadt weitere Menschen erschossen. Vor dem Lokal am Heumarkt waren nach den Schüssen Patronenhülsen zu sehen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Die Spuren wurden mit Farbspray markiert. Die Polizei forderte Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen oder andere Lokalitäten vor Ort zu begeben.

Die zum Main-Kinzig-Kreis gehörende Stadt Hanau liegt rund 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100.000 Einwohner. Zur Unterstützung der hessischen Polizei waren auch Beamte aus Bayern im Einsatz.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky zeigte sich erschüttert. Es sei ein Abend, „wie man ihn sich schlimmer nicht vorstellen kann“, sagte Kaminsky der „Bild“-Zeitung. Er sei „tief betroffen“. Die Hanauer CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert schrieb auf Twitter: „Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle.“



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