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Volkswagen to shut coal-fired power stations at main factory to cut CO2

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FILE PHOTO: The logo of Volkswagen is pictured at the LA Auto Show in Los Angeles, California, U.S., November 20, 2019. REUTERS/Lucy Nicholson

FRANKFURT (Reuters) – Volkswagen (VOWG_p.DE) is shutting down two coal-fired power stations at its main plant in Wolfsburg, Germany and has declined offers to sell them to cut down the company’s carbon dioxide emissions, Chief Executive Herbert Diess said on Friday.

„I have already declined offers from several interested parties who wanted to buy our old Wolfsburg coal plants and rebuild them elsewhere in the world,“ Diess said in a post bit.ly/38vkmsU on LinkedIn.

Volkswagen said it is replacing the coal-fired power stations with gas turbine plants, a step which will help cut VW factory’s carbon dioxide emissions by 60%, equivalent to the emissions of 870,000 cars.

Seven out of the ten biggest carbon-dioxide polluters in Europe are coal-fired power stations in Germany, Volkswagen said.

Reporting by Edward Taylor; editing by Thomas Seythal

Our Standards:The Thomson Reuters Trust Principles.



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No global digital tax by end-2020 would mean chaos: France

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RIYADH (Reuters) – Failure to reach a global deal on where and how much to tax digital giants such as Google (GOOGL.O), Amazon (AMZN.O) or Facebook (FB.O) would result in many digital tax regimes emerging all over the world, France’s Finance Minister said on Sunday.

FILE PHOTO: French Finance Minister Bruno Le Maire attends a news conference to kick off the France’s national lottery operator Francaise des Jeux (FDJ) listing with the opening of the share subscription process in Boulogne-Billancourt, near Paris, France, November 7, 2019. REUTERS/Gonzalo Fuentes/File Photo

It would also likely trigger U.S. retaliatory tariffs, U.S. Treasury Secretary Steven Mnuchin told reporters, underscoring Washington’s determination to thwart tax rules planned by France and other countries if no global deal is reached.

Speaking to Reuters on the sidelines of a meeting of world financial leaders, Bruno Le Maire said the gathering had been very useful in establishing consensus on such global tax rules.

Finance ministers and central bankers from the world’s 20 biggest economies, the G20, met in Riyadh for talks on economic issues, with digital taxation topping their two-day agenda.

Mnuchin said the issue was being addressed in negotiations with the Organization for Economic Cooperation and Development, and he hoped it could be resolved by the end of the year.

But he said Washington would strike back at the digital taxes passed by France and others if those efforts failed.

“We’ve been very consistent in saying we think the digital services tax is discriminatory in nature against digital companies, and specifically a handful of U.S. companies,” he said. “The president was clear that we were proceeding with … reciprocal tariffs.”

France and the United States have declared a truce to allow the multilateral talks to reach a conclusion by year-end.

“For the first tine there is wide consensus among the G20 members on the necessity of having a new international taxation system,” Le Maire said.

“We have to address the issue of digital companies making profits in many countries without any physical presence, which means without paying the due level of taxes,” he said.

“And we also have to address the key question of minimum taxation and the risk of having a race to the bottom on taxation,” he said.

The OECD wants to agree on technical details of such a tax by July.

“There is a consensus to build a solution by the end of 2020,” Le Maire said, noting the alternative – no agreement – would create a proliferation of different tax systems making life more difficult for companies.

“Lets be clear – either we have at the end of 2020 an international solution… clearly in the interest of all countries and digital companies, or there is no solution and … then it will be up the national taxes to enter into force,” Le Maire said.

“Instead of having one single, simple solution, we would have many different digital taxes, all over the world.”

The United States, home to most of the digital giants, has been wary of committing to a solution on taxing them before a presidential election later this year.

Reporting by Jan Strupczewski and Anrea Shalal; Editing by William Maclean and Alex Richardson

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Die Virusepidemie in China beeinträchtigt nicht nur die eigene Wirtschaft: Einige der globalen Lieferketten sind unterbrochen

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An den Finanzmärkten mehren sich die Stimmen, die vor einer Unterschätzung der negativen Auswirkungen des Coronavirus auf die Realwirtschaft warnen.

Autos von Hyundai warten auf ihre Verschiffung in Ulsan, Südkorea. Die Hyundai Manufaktur musste ihre Produktion am 7. Februar 2020 einstellen wegen ausfallenden Lieferungen aus China.

Yonhap / EPA

Die Virusepidemie in China beeinträchtigt nicht nur die eigene Wirtschaft, denn die starke Integration des Landes in die Weltwirtschaft und die Störung der globalen Lieferketten lassen erhebliche Folgewirkungen erwarten. Gegenwärtig arbeite Chinas Wirtschaft mit weniger als der Hälfte ihrer Kapazität, schätzt Mark Chandler, Chefstratege von Bannockburn Global Forex.



Unterschiedlich stark abhängig

Länder des asiatisch-pazifischen Raums sind wegen ihrer gestiegenen Vernetzung mit der chinesischen Wirtschaft besonders heftig betroffen vom Ausbruch der Epidemie. Davide Oneglia, Ökonom bei TS Lombard, hat versucht, die Abhängigkeit abzuschätzen. Vor allem Südkorea, Thailand, Vietnam sowie Japan und Taiwan haben in ihren Exportgütern sehr hohe Anteile chinesischer Halbfabrikate. Für Euro-Länder ist China auch wichtig als Lieferant von Zwischenprodukten, dies gilt vor allem für Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien.

Die vier Produktionssektoren im Euro-Raum mit dem höchsten Anteil an chinesischem Input sind die Auto-, die Maschinenbau-, die Chemie- und die Elektronikindustrie – mit unterschiedlicher Rangfolge in den einzelnen Ländern. Oneglia betont, dass auch der europäische Dienstleistungssektor einen signifikanten chinesischen Input aufweist.

Diese Sicht zeigt aber noch nicht das volle Ausmass der Abhängigkeit europäischer Unternehmen von chinesischen Zulieferern. Oneglia argumentiert mit der vom US-Ökonomen Michael Kremer entwickelten O-Ring-Theorie: Ist wegen einer Störung globaler Lieferketten nur eine einzige, aber zentrale Komponente plötzlich nicht mehr verfügbar, kann ein vollständiger Produktionsstillstand mit viel höherem Schaden drohen, als es der chinesische Zulieferanteil erwarten liesse. Die Theorie bezieht sich auf die Katastrophe des Spaceshuttles «Challenger» im Jahr 1986 infolge des Versagens eines Dichtungsrings. Einige mit unterbrochenen Lieferketten kämpfende Autofirmen lassen deshalb bereits Komponenten einfliegen.

Mit einem Abhängigkeitsindikator haben Clemente Delucia und Michael Kirker, Ökonomen der Deutschen Bank, ebenfalls die Verletzlichkeit einzelner Länder aufgrund unterbrochener Lieferketten zu quantifizieren versucht. Es zeigt sich ein klares Bild: Länder der Europäischen Union sind auf der Produktionsebene deutlich weniger abhängig von chinesischen Zulieferungen als die USA, Japan und andere asiatische Länder. Europäische Nationen dürften zumindest vorerst nur geringe direkte wirtschaftliche Einbussen durch die Epidemie erleiden. Allerdings könnten heftige Zweitrundeneffekte auftreten, die sich als Folge von Störungen in mit China sehr eng verbundenen Ländern ergeben. Wirtschaftliche Einbussen drohen nicht nur durch Störungen der Lieferketten, sondern auch durch rückläufige Nachfrage und fallende Exporte.



Andere Vorzeichen als bei Sars

Bevor offizielle Daten der chinesischen Behörden den Einbruch der Wirtschaft aufzeigen werden, hat das Wertpapierhaus Nomura die Grössenordnung der Probleme angedeutet. Der Emerging Industries PMI, der Einkaufsmanagerindex der Hochtechnologieindustrie, ist auf den bisher tiefsten Stand abgestürzt – auf 29,9 nach 50,1 im Januar. Die Märkte unterschätzten den Einbruch, glaubt Ting Lu, der für China zuständige Chefökonom. Auch dürften sich Markterwartungen in Bezug auf heftige Stimuli durch Regierung und Notenbank vorerst nicht erfüllen. Sie ergäben erst Sinn, wenn das Virus eingedämmt sei und die Betriebe wieder arbeiteten, sagt Sean Darby von der Investmentbank Jefferies.

Auch Goldman Sachs warnt davor, dass die Märkte die Folgen des Virusausbruchs für die Unternehmensgewinne und Aktienkurse erheblich unterschätzten. Obwohl einige Konzerne, insbesondere Apple, bereits auf Lieferengpässe und schwache Nachfrage hingewiesen haben, scheinen Marktteilnehmer nur von temporären Störungen mit darauffolgender kräftiger Erholung auszugehen. Parallelen zur Sars-Pandemie von 2002/03 zu ziehen, sei aber falsch, betont Peter Oppenheimer, der leitende Aktienstratege für Europa. Die Aktien seien heute überall sehr viel höher bewertet als damals, und entsprechend ausgeprägter seien die Risiken von Kurskorrekturen.



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In Senegal kann es schon mal sein, dass ein Besucher sagt: «Oh, dieser Wecker gefällt mir. Ich muss morgen früh raus. Kann ich ihn mitnehmen?» Und ein «Nein» als Antwort ist undenkbar

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Dauernd will sich jemand Geld ausleihen, das Velo verschwindet tagelang und Besucher bedienen sich im Kleiderschrank. So funktioniert afrikanische Alltagswirtschaft: Teilen ist alles.

In Afrika wird kaum gespart. Sobald man etwas Geld beisammen hat, baut man ein bisschen. Und wer etwas braucht, leiht es sich bei Verwandten. Das Bild zeigt ein Wohnhaus in Touba in Senegal.

Mikal McAllister / Reuters

Es fällt auf, dass die Senegalesen in ihren Quartierläden alles immer nur in kleinen Portionen einkaufen. Sie lassen sich etwas Kaffee in ein Plastiksäcklein abfüllen, kaufen drei, vier Zuckerwürfel, eine Ration Butter und eine einzelne Zigarette. Man könnte annehmen, das habe mit den begrenzten Mitteln tun, aber diese Erklärung ist unlogisch. Unterm Strich käme es nämlich billiger, jeweils eine ganze Dose Kaffee oder eine Schachtel Zucker zu kaufen.

Der wahre Grund ist, dass Horten in Afrika schwierig ist. Das Päckchen Zigaretten wäre in kurzer Zeit leer, weil sich alle davon bedienen würden. «Es hat ja genug», würde jeder sagen. In einer typischen senegalesischen Wohnung herrscht ein beständiges Kommen und Gehen. Gastfreundschaft wird grossgeschrieben. Ist gerade Essenszeit, wird auch ein Fremder sofort eingeladen. Umgekehrt sieht der zufällige Besucher nichts Böses dabei, sich von herumliegenden Bonbons, Früchten oder eben Zigaretten zu bedienen. Das kann so weit gehen, dass das Fahrrad im Hinterhof immer mal wieder verschwindet, weil ein Gast oder ein Wächter gerade irgendwohin fahren musste. «Es wurde ja momentan gerade nicht gebraucht», wird dann zur Verteidigung vorgebracht. Wer viel hat – und seien es nur Zuckerwürfel – zeigt damit, dass er mehr besitzt, als er zum unmittelbaren Konsum benötigt. Also wird es ihm wohl auch nicht weh tun, wenn am Abend etwas davon fehlt.



Hartnäckige Bittsteller und Ausweichmanöver

Dasselbe kann einem mit Kleidern passieren: Wer einen ganzen Schrank voller Hosen und Hemden hat, kann ohne weiteres ein Stück für ein paar Tage entbehren, lautet die Logik. Insbesondere unter Verwandten wird die Garderobe oft als Gemeingut betrachtet. Das Ausleihen kann dann durchaus auch etwas länger dauern, bis zum Nimmerwiedersehen. Wer in so einem Fall «Diebstahl» schreit, macht sich aber lächerlich.

Im besten Fall wird man vor der Inbesitznahme gefragt. Man kann ohne weiteres erleben, dass einem ein Besucher sagt: «Oh, dieser Wecker gefällt mir. Ich muss morgen früh raus. Kann ich ihn mitnehmen?» Man weiss genau, dass man bei einem Ja den Wecker nie mehr wiedersehen würde; aber es ist in diesem Falle nicht die Frage, die als unhöflich gilt, sondern ein «Nein» als Antwort.

Um die Sache zu retten, wird ein Senegalese bei seiner Antwort wahrscheinlich einen Umweg wählen: «Der Wecker gehört meinem Bruder, ich kann ihn nicht weggeben» oder «leider brauche ich ihn morgen früh unbedingt». Weil Nein-Sagen in Senegal verpönt ist, haben sich die Leute alle möglichen Vermeidungsstrategien ausgedacht. Hat man sich zum Beispiel verabredet, und der andere kann nicht kommen, wird er einfach nicht auftauchen, ohne sich zu entschuldigen. Versucht man ihn dann anzurufen, wird er das Telefon nicht abnehmen. So kann das tagelang gehen. Der andere hofft einfach, irgendwann sei die Sache vergessen. Das erscheint dem Westler als extrem unhöflich; aber für die Senegalesen wäre es noch unhöflicher, den Termin direkt zu annullieren.



Freundschaft und Finanzielles gehören zusammen

Teilen ist im ganzen subsaharischen Afrika enorm wichtig. Die Qualität einer Freundschaft misst sich an der Bereitschaft zu geben. Oder, deutlicher gesagt: Eine Freundschaft, die sich nicht auch materiell beweist, ist hohl. Insbesondere Kredite gehören dazu. Es ist ganz normal, dass man von Bekannten dauernd um Geld angegangen wird. Oft sieht man es nicht wieder. Dafür weiss der Gläubiger, dass der andere in seiner Schuld steht und dass er ihn bei Gelegenheit ebenfalls um einen Dienst bitten kann. Dass man Freundschaft und Finanzielles trennen soll, gilt hier nicht, und eine Freundschaft wird durch die involvierten Interessen auch nicht entwertet. Das gilt übrigens auch in Liebesdingen. Wer mit einer Frau ins Bett geht, wird ihr am nächsten Tag etwas schenken. Alles andere wäre unhöflich. Mit Käuflichkeit oder gar Prostitution hat das nichts zu tun.

Solange Geben und Nehmen unter Freunden mehr oder weniger im Gleichgewicht sind, gibt es keine Probleme. Konfliktträchtig wird es, wenn einer viel reicher ist als der andere oder zumindest diesen Anschein erweckt. Das ist ein Problem, mit dem Weisse in Afrika oft konfrontiert sind; David Maranz beschreibt es treffend in «African Friends and Money Matters». Die Expats haben den Eindruck, sie würden von ihren Bekannten, die unaufhörlich etwas von ihnen wollen, ausgebeutet, ja ausgesogen. Sie werden misstrauisch und verschliessen sich, weil ihnen scheint, «Freundschaft» sei nur ein Synonym für «gib mir». Das hat einerseits damit zu tun, dass Weisse à priori als wohlhabend gelten, und andererseits damit, dass der Kontakt zu Ärmeren meist einfacher ist als derjenige zur oberen Mittelschicht oder zur Oberschicht, also zu finanziell Gleichgestellten. Angehörige der afrikanischen Oberschicht schotten sich oft nach unten ab, gerade weil sie wissen, wie gross die Begehrlichkeiten sind, denen man schlecht ausweichen kann.



Beziehungen ersetzen Versicherungen und Vorsorge

Die Wichtigkeit der Solidarität hängt mit dem Mangel an sozialen Einrichtungen und funktionierenden Banken zusammen. Die meisten Afrikaner verfügen weder über eine Krankenkasse noch über sonstige Versicherungen. Auch Arbeitslosengelder und Altersrenten gibt es kaum. Einen Bankkredit zu bekommen, ist schwierig. Alle diese Leistungen, die in Europa institutionalisiert sind, müssen in Afrika Verwandte und Freunde übernehmen. Grosszügig zu sein, ist nicht nur altruistisch, sondern auch eine Versicherung. Der Generöse hat gute Aussichten, ebenfalls auf Hilfe zählen zu dürfen, falls er einmal in Not gerät.

Die verbreitete Armut im subsaharischen Afrika ist eine Ursache wie auch eine Folge dieses Systems. Wer arm ist, kann nicht gut autonom sein. Er hat kein Erspartes, auf das er zurückgreifen kann. Sein Kapital ist sein soziales Netz, das er in Anspruch nehmen kann. Aber es ist auch schwierig, der Armut zu entkommen, wenn man das Erwirtschaftete permanent verteilen muss. Man kann so kaum die Geldmittel akkumulieren, die man etwa für den Start eines kleinen Business brauchte. Im Gegenteil: Wer anhäuft, macht sich des Geizes und des Egoismus verdächtig. Die afrikanische Ethik der Solidarität ist eher sozialistisch als kapitalistisch. Das egalisierende Sicherheitssystem funktioniert «einmittend», aber auf niedrigem Niveau: Niemand verhungert, aber es reüssiert auch keiner so richtig, ausser er hat den Mut beziehungsweise die Kaltblütigkeit, sich aus den gegenseitigen Verpflichtungen zu verabschieden. Dann setzt er sich allerdings einem enormen psychologischen und sozialen Druck aus; er weiss, dass ihm von allen Seiten vorwurfsvoller Neid entgegenschlagen wird, und oft gelten Neid und Hexerei als synonym. Der «Geizige» muss immer fürchten, von rachsüchtigen Zukurzgekommenen krank gemacht oder sogar auf okkulte Art getötet zu werden.

Das Ideal in diesem Sozialsystem sind nicht Autonomie und Freiheit, sondern gegenseitige Abhängigkeit. Es soll maximale Interdependenz und Kohäsion hergestellt werden. Die Gruppe steht über dem Individuum: «Ich bin, weil wir sind», lautet das Credo.



Die halbfertigen Häuser

Ein typischer Anblick in einer afrikanischen Stadt sind all die unfertigen Häuser. Die unverputzten Mauern mit den herausragenden Armierungseisen geben dem Stadtbild etwas Unfertiges und Improvisiertes; man hat den Eindruck einer einzigen, riesigen Baustelle. Oft handelt es sich bei den Gebäuden um Rohbauten; manchmal wird auch ein Stockwerk gebaut, und erst nach Jahren kommt eine zweite Etage darauf, aber ohne definitives Dach, so dass immer noch die Möglichkeit für ein weiteres Stockwerk besteht. Diese gestaffelte Bauweise hat mit der Finanzierung zu tun. Man spart nicht oder nimmt nicht einen Baukredit auf, um dann das ganze Haus auf einmal fertigzustellen. Sondern man baut jeweils ein bisschen, sobald man wieder etwas Geld beisammen hat. Denn es ist unmöglich, lange zu sparen, ohne etwas davon an Bedürftigere abgeben zu müssen. Umgekehrt ist Geld, das in Land und Gebäude investiert wurde, nicht mehr flüssig, also nicht mehr für andere verfügbar. Man kann dann den Bittstellern mit gutem Gewissen entgegnen: «Ich bin nicht liquid.»



Sich unter den Schutz eines «Patrons» stellen

Trotz den vielen Vorkehren, die Einkommensunterschiede ausgleichen, gibt es natürlich auch in Afrika Arme und Reiche. Weil für das eigene Fortkommen Connections oft wichtiger sind als Fleiss und Intelligenz, versucht man, Beziehungen zu Bessergestellten herzustellen und zu pflegen. Auch hier geht es um einen Tausch: Der «Klient» bringt dem «Patron» Respekt und Loyalität entgegen, im Gegenzug erwartet er Unterstützung und Zugang zu Ressourcen wie zum Beispiel einem Job. Zwar kann der dauernde Appell um Hilfe für Wohlhabende belastend sein, dafür bietet die gesellschaftliche Position des «Patrons» Prestige und Gefolgschaft, was zum Beispiel für Politiker elementar ist.

Diese Mechanismen prägen nicht nur die Interaktionen im Alltag, sondern auch das Geschäftsleben und die Politik. Von einem Direktor oder einem Minister wird erwartet, dass er seinen Verwandten und «Klienten» Jobs, Pfründen und Vorteile zuschanzt. Das gilt nicht als unmoralische Vetternwirtschaft, Begünstigung oder Korruption, im Gegenteil. Es wäre unmoralisch, nämlich egoistisch, wenn der «Patron» es nicht tun würde. «Vergiss nicht, woher du kommst», sagt man einem solchen Aufsteiger, der seine Nächsten ignoriert, die es weniger weit gebracht haben als er selbst. Oft zeigt sich dieses Problem auch als Stadt-Land-Konflikt: Die «Zurückgebliebenen» im Dorf grollen den Ausgewanderten, weil sie nicht die Rimessen erhalten, die sie eigentlich erwarten. Manchmal machen sie sich dann ebenfalls in die Stadt auf, wo sie sich bei ihrem Verwandten, der offenbar Karriere gemacht hat, einquartieren. Viele Bewohner Dakars beklagen sich über all die Verwandten, mit denen sie ihre kleine Wohnung und ihr Salär teilen müssen, das ihnen selbst bescheiden, Menschen vom Land jedoch gewaltig erscheint. Einen Verwandten, mag er einem noch so unverschämt kommen, aus dem Haus zu werfen, ist aber fast unmöglich. Viele Afrikaner leben in diesem Dilemma zwischen den traditionellen Werten von Solidarität und sozialer Umverteilung und der Moderne mit ihren individualistischen und meritokratischen Idealen.



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